Mitreden, mitgestalten, Barrieren abbauen

Eine Treppe – das sind für viele Menschen nur ein paar Stufen, für einen Menschen im Rollstuhl ist sie ein unüberwindbares Hindernis. Eine enge Tür fällt vielen kaum auf, für jemanden mit Rollator bedeutet sie: Du bleibst draußen. Ein defekter Aufzug am Bahnhof ist für manche ärgerlich – für andere macht er die Welt, in der sie sich bewegen können, sehr klein. Und auch Informationen können Barrieren schaffen: wenn Internetseiten unübersichtlich, Anträge kaum verständlich oder Videos nicht untertitelt sind.

Um genau solche Situationen geht es dem Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Hameln. Er bringt die Erfahrungen von Betroffenen in Politik und Verwaltung ein und macht sichtbar, wo Teilhabe im Alltag erschwert oder verhindert wird. Am Montag, 2. November, wird das Gremium neu gewählt. Wer selbst mitgestalten möchte, kann sich bis zum 12. Oktober als Kandidatin oder Kandidat bewerben.

Der Beirat vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderung gegenüber Stadt und Politik. Er kann Fragen, Empfehlungen und Anträge einbringen und ist in verschiedenen Fachausschüssen des Rates beratend vertreten.

Wie wichtig dieser Blick aus der Praxis ist, zeigt das Beispiel der Bahnüberführung Deisterstraße. Dort wurde der Beirat bereits in der Planungsphase beteiligt und konnte darauf hinweisen, welche Voraussetzungen eine tatsächlich barrierefreie Querung erfüllen muss. Werden solche Hinweise früh berücksichtigt, lassen sich Barrieren vermeiden – und spätere, oft teure Umbauten verhindern.

Die Themen des Beirates reichen dabei weit über die Stadtplanung hinaus. Es geht ebenso um verständliche und zugängliche Informationen, um Freizeit- und Kulturangebote oder um ganz alltägliche Hindernisse, die Menschen mit Behinderung die Teilhabe erschweren. Der Beirat macht solche Probleme sichtbar und bringt sie dort ein, wo Lösungen entwickelt werden können.

Gesucht werden deshalb Hamelnerinnen und Hamelner, die ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven einbringen und Hameln in den kommenden fünf Jahren mitgestalten möchten. Zur Wahl stellen können sich Bürgerinnen und Bürger, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind, in Hameln wohnen und eine amtlich anerkannte Behinderung mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 haben. Auch Eltern minderjähriger Betroffener können kandidieren. Vorkenntnisse in Kommunalpolitik oder Verwaltungsabläufen sind dafür nicht erforderlich.

Die Bewerbung ist formlos möglich und muss bis Montag, 12. Oktober, bei der Stadt Hameln eingegangen sein. Sie kann per Post oder persönlich an folgende Adresse gerichtet werden: Familie im Zentrum, Osterstraße 46, 31785 Hameln. Alternativ kann die Bewerbung per E-Mail an familie@hameln.de geschickt werden. Bei Fragen zur Bewerbung oder zur Arbeit des Beirates steht Jana Grundei unter der Telefonnummer 0151/292 686 93 als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Die Wahl selbst findet am Montag, 2. November, um 18 Uhr im Kultur- und Bildungshaus Regenbogen statt. Dort haben die Kandidatinnen und Kandidaten zunächst Gelegenheit, sich vorzustellen. Anschließend werden die Mitglieder des Beirates in geheimer Wahl gewählt.

Der Beirat für Menschen mit Behinderung besteht aus insgesamt elf ehrenamtlichen Mitgliedern. Sieben Mitglieder werden von den Wahlberechtigten gewählt, vier weitere werden auf Vorschlag von Organisationen, die in der Behindertenarbeit tätig sind, vom Rat der Stadt Hameln ernannt. Der neu gewählte Beirat bleibt fünf Jahre, also bis 2031, im Amt.

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