Was zu tun ist, wenn Sie eine Fällung oder einen Rückschnitt planen...

Die Schnittsaison für Gehölze beginnt am 1. Oktober eines Jahres und endet am 28. Februar. Seit dem 1. Januar 2021 gelten allerdings Änderungen im sogenannten "Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz", dem NAGBNatSchG. So sollen Maßnahmen gegen den Rückgang der Artenvielfalt gesetzlich verankert werden.

Für das Entfernen von Gehölzen (Bäume und Sträucher) kann seitdem eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt Hameln notwendig sein. Dies ist nicht auf die freie Landschaft beschränkt, sondern kann auch innerorts der Fall sein. Mit der Gesetzesänderung sollen Landschaftselemente wie Bäume und Sträucher besser geschützt werden. Diese sind nicht nur wichtige Lebensräume, sondern strukturieren auch die Landschaft und tragen so zu einem vielseitigen Landschaftsbild bei.

Wann gilt ein Rückschnitt als Eingriff in die Natur?

Nach den gesetzlichen Regelungen gelten nun alle Veränderungen der Natur und Landschaft, die den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen können, als ein Eingriff. Insbesondere Fällungen, Rodungen und unsachgemäße Rückschnitte werden als Eingriffe eingestuft. Ob der Eingriff erheblich ist, entscheidet die Untere Naturschutzbehörde im Einzelfall. Dabei spielen u. a. die Bedeutung für das Landschaftsbild, die Funktion für den Naturhaushalt, die Gehölzart und das -alter eine Rolle.   
Grundsätzlich gilt es, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Sollte ein Eingriff unvermeidbar sein, sind die Beeinträchtigungen vom Verursacher auszugleichen oder zu ersetzen. Zum Beispiel durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Gegebenenfalls kann eine Ersatzzahlung erforderlich werden.

Was muss ich tun, wenn ich eine Fällung oder einen erheblichen Rückschnitt plane?

Sollen Bäume und Sträucher gefällt oder erheblich zurückgeschnitten werden, muss vor der Durchführung Kontakt mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde hergestellt werden. Diese beurteilt, ob ein Eingriff vorliegt und ob und gegebenenfalls Ausgleichs-/ Ersatzmaßnahmen erforderlich sind.          
Der Kontakt kann formlos, am besten per E-Mail mit Fotos, hergestellt werden.

Wer ein Vorhaben plant, welches Auswirkungen auf Natur und Landschaft haben könnte, wendet sich bitte an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hameln unter der E-Mailadresse naturschutz@hameln.de oder schriftlich an die Stadt Hameln, Abteilung Umwelt und Klimaschutz, Rathausplatz 1, 31785 Hameln.

Hinweise: Wenn Bäume in Bebauungsplänen als zu erhalten festgesetzt sind, gilt dies für Bäume aller Größen und Arten. Für das Landkreisgebiet außerhalb des Stadtgebietes von Hameln ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont zuständig, wenn die Gemeinde keine Baumschutzsatzung hat (Mail: naturschutz@hameln-pyrmont.de).

Welche Bäume und Sträucher sind davon betroffen?

Bei Laubbäumen im privaten Garten gilt die Richtgröße: Stammumfang von 1,50 m gemessen in 1,00 m Höhe. Bei der Entfernung von Baumgruppen (ab zwei Gehölzen) erfolgt eine Einzelfallprüfung (je nach Art und Umfang). Außerhalb von Gärten können auch Bäume mit geringeren Stammumfängen einen erheblichen Eingriff darstellen. Nadelbäume unterliegen einer höheren Toleranz als Laubbäume. Ab 1,50 m Umfang in 1,00 m Höhe sollte dennoch die Untere Naturschutzbehörde kontaktiert werden. Bei der Genehmigung zur Fällung eines Laubbaumes mit einem Stammumfang von 2,50 Metern kann als Ausgleich für den Verlust beispielsweise die Neuanpflanzung von drei einheimischen Laubbäumen erforderlich werden.

Mein Vorhaben wurde als "Eingriff" eingestuft - und nun?

Sollte bei dem Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde festgestellt werden, dass ein Eingriff vorliegt, kann ein formloser Antrag auf Genehmigung nach dem Naturschutzrecht gestellt werden. Darin ist zu begründen, dass es keine Möglichkeit der Vermeidung oder Minimierung des Eingriffes gibt. Für die Beurteilung eines Eingriffes muss das Vorhaben genau beschrieben werden  (Art, Ort, Umfang, Lageplan, ggf. Fotos und zeitlicher Ablaufplan). Zudem ist eine kartographische Darstellung von Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

Wann darf ich Bäume und Sträucher nicht zurückschneiden?

Zum Schutz der Gehölze, die einen wichtigen Lebensraum für wild lebende Tier- und Pflanzenarten darstellen, ist es verboten, diese in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen. Zulässig sind hingegen schonende Form- und Pflegeschnitte, die der Gesunderhaltung von Bäumen oder der Beseitigung des jährlichen Zuwachses der Gehölze dienen.
Vor jedem Eingriff, egal ob Schnitt, Fällung oder Rodung, müssen Gehölze zunächst auf die Besiedlung durch wild lebende Tierarten überprüft werden. Besetzte Nester sind durch die geltenden Artenschutzregelungen geschützt und dürfen während der Brutzeit weder gestört noch beseitigt werden. Bei Baumhöhlen ist neben dem Vorkommen von Vögeln auch auf eine mögliche Besiedlung durch Schlafmäuse, Fledermäuse oder Hornissen zu achten. Auch diese sind besonders geschützt.