Rattenfänger-Freilichtspiel beendet Jubiläumssaison

Noch einmal zogen Ratten, Tanzkinder, Ratsherren, Bürger und der Rattenfänger am Sonntag durch die Hamelner Altstadt zur Hochzeitshaus-Terrasse. Dann hieß es um 12 Uhr ein letztes Mal in diesem Sommer: Das Spiel beginnt! Mit der Vorstellung am Weltkindertag hat sich das Rattenfänger-Freilichtspiel aus seiner Jubiläumssaison verabschiedet – 70 Jahre nach dem Beginn der bis heute ununterbrochenen Spieltradition im Jahr 1956.

Dass die Saison am Weltkindertag endete, war bewusst gewählt. Kinder gehören seit Generationen zum Freilichtspiel. Sie stehen als Ratten und Tanzkinder auf der Bühne, wachsen in neue Rollen hinein und bleiben der Gruppe nicht selten über viele Jahre verbunden. Auch in diesem Sommer kamen neue Kinder hinzu. Über die FerienCard konnten sie als Ratten zunächst Bühnenluft schnuppern. Einige blieben danach dabei und spielten auch bei weiteren Vorstellungen mit.

„Dass Kinder über die FerienCard zu uns kommen, Freude am Mitspielen finden und einige danach einfach weitermachen, ist für uns etwas ganz Besonderes“, sagt Spielleiter Michael Bräunig. „Eine Tradition kann nur weiterleben, wenn immer wieder neue Menschen dazukommen und sie mittragen. Deshalb war es uns auch ein Anliegen, unsere Jubiläumssaison am Weltkindertag zu beenden.“

Das Jubiläumsjahr reichte weit über die sonntäglichen Aufführungen hinaus. In Arbeitskreisen bereitete die Spielgruppe gemeinsam Ausstellung, Jubiläumsfeier und weitere Aktivitäten vor. Gerade diese gemeinsame Arbeit hat den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe noch einmal gestärkt“, sagt Bräunig.

Ein Höhepunkt war der Hamelner Pfeifertag am 26. Juni. Rund um die Hochzeitshaus-Terrasse feierte die Spielgruppe ihr 70-jähriges Bestehen mit Musik, Figurenspiel, Zauberkunst und einer zusätzlichen Aufführung. Hochsommerliche Temperaturen stellten Veranstalter und Mitwirkende dabei vor eine besondere Herausforderung. Kurzfristig von der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) organisierte Hitzeschutzmaßnahmen sorgten dafür, dass die lange vorbereitete Feier stattfinden konnte. radio aktiv begleitete den Pfeifertag über mehrere Stunden live.

Auch überregional fand das Jubiläum Beachtung. Der NDR besuchte die Spielgruppe, begleitete eine Aufführung mit der Kamera und strahlte den entstandenen Beitrag am nächsten Tag gleich aus. Für die Mitwirkenden wurde damit ein weiterer besonderer Moment des Jubiläumsjahres festgehalten.

Eine unerwartete Verbindung zur eigenen Geschichte brachte zudem ein Besuch aus Japan nach Hameln zurück. Frau Yugi erlebte eine Vorstellung auf der Terrasse des Hochzeitshauses. Ihr inzwischen verstorbener Ehemann verantwortete in den 1980er-Jahren das Marketing von Japan Airlines, unter anderem auf der Internationalen Tourismus Börse in Berlin (ITB), wo er Kontakt zum Hamelner Verkehrsverein aufnahm. Er hatte seinerzeit dazu beigetragen, die Hamelner Freilichtspiel-Gruppe für Auftritte nach Japan einzuladen.

„Dieser Besuch hat bei uns viele Erinnerungen geweckt“, erzählt Bräunig. „Wir waren damals eine Woche mit dem Freilichtspiel in Japan. Und wenn sich noch einmal eine Gelegenheit ergeben sollte: Wir würden sicher nicht Nein sagen.“

Ein weiterer Baustein des Jubiläums war die Ausstellung im Infocenter Hameln, die auf mehrere Jahrzehnte Freilichtspiel zurückblickte. Hierfür wurden viele Geschichten, Erinnerungen und Materialien zusammengetragen. Gefördert wurde das Projekt vom Landschaftsverband Hameln-Pyrmont.

„So ein Jubiläum entsteht nicht nebenbei“, sagt Bräunig. „Viele haben ihre Zeit, ihre Ideen und viel Arbeit eingebracht. Mein Dank gilt der gesamten Spielgruppe, unserem Sponsor Sparkasse Hameln-Weserbergland und allen, die uns unterstützt haben.

Denn hinter jeder sonntäglichen Aufführung steckt weit mehr als die halbe Stunde auf der Bühne: Rollen müssen besetzt, Kinder betreut, Kostüme vorbereitet und gepflegt, Abläufe geprobt und zahlreiche Aufgaben hinter den Kulissen übernommen werden. Das Ganze geschieht ehrenamtlich.

Am letzten Spieltag wurde Spielleiter Michael Bräunig bei der Ehrung langjähriger Mitspieler von Tim Nikelski, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hameln-Weserbergland, unterstützt. Elise Dangendorf, Lea Crone und Conner Schlüter sind seit 3 Jahren dabei und erhielten neben einer Urkunde auch eine „Spar-Ratte“ von der Sparkasse, und zwar mit Inhalt. Weiter wurden sechs Erwachsene geehrt: Lenn Herbrich und Finn Herbrich sind volle 10 Jahre dabei. Berfin Ulumaskan ist seit 15 Jahren dabei, Vikica Borovic und Iwan Topalovic sogar schon seit 20 Jahren. Weiter erhielt der Teamleiter Bühnentechnik, Mick Johnsen, eine Ehrung für 17 treue Jahre. Alle Geehrten erhielten eine Urkunde sowie einen Blumenstrauß. (s. Foto im Anhang).

Nun verschwinden die mittelalterlichen Gewänder zunächst wieder im Fundus. Ganz still wird es um die Rattenfänger-Gruppe auch während der Winterpause nicht. Die Darsteller treffen sich weiterhin in unregelmäßigen Abständen und bereitet die kommende Saison vor. Im April beginnen wieder die Proben. Wer selbst als Ratte, Tanzkind, Bürger oder in einer anderen Rolle Teil des Rattenfänger-Freilichtspiels werden möchte, kann sich bereits frühzeitig an Spielleiter Michael Bräunig wenden.

Denn, im kommenden Jahr wird es auf der Hochzeitshaus-Terrasse wieder heißen: Das Spiel beginnt!

 

Mehr zum Rattenfänger-Freilichtspiel unter: www.hameln.de/freilichtspiel

 

Chronik des Rattenfänger-Freilichtspiels in Hameln

 

1929–1939

Bereits ab 1929 wurde die Rattenfängersage in Hameln in Form von Freilichtaufführungen gespielt. Autorin und Regisseurin Magda Fischer brachte das Spiel auf Hamelner Straßen und Plätzen zur Aufführung. Bis August 1939 fanden rund 500 Aufführungen statt. Diese frühen Inszenierungen gelten als kulturelle Vorläufer der heutigen Freilichtspieltradition.
 

1949–1950

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Tradition schrittweise wieder aufgenommen. Ab 1949 kam es erneut zu Aufführungen.
 

1951-1954

Am Pfingstsonntag, dem 13. Mai 1951, wurde das Spiel unter der Leitung von Lehrer Karl Schmidt in einer neuen Form präsentiert. Die Mitwirkenden kamen überwiegend aus einer Theatergruppe am Schiller-Gymnasium. Regisseurin Agde Andre integrierte zusätzliche Tänze und Figuren. Diese Inszenierung bestand für etwa vier Jahre.
 

1956

Das Jahr 1956 markiert den Beginn der bis heute ununterbrochenen Tradition des Rattenfänger-Freilichtspiels. Der Lehrer und Regisseur Friedrich Flügge übernahm die Leitung der neu gegründeten Freilichtspielgruppe. Der neue Text, der auch heute noch fast unverändert dargeboten wird, stammte aus der Feder von Leni Sponholz. Flügge prägte die Inszenierung und die Organisation des Spiels über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg.
 

Ab 1956 – kontinuierliche Spieltradition

Seit 1956 wird das Rattenfänger-Freilichtspiel jährlich von Mitte Mai bis Mitte September aufgeführt. Spielort ist die Terrasse des Hochzeitshauses in der Hamelner Altstadt. Die Aufführungen finden traditionell sonntags um 12 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenfrei.
 

2010 und 2011

Die Altstadt bekommt ein neues Pflaster. Die Hochzeitshaus-Terrasse wird saniert und bekommt eine moderne Überdachung. Deswegen müssen die Aufführungen auf die Bühne des Musik-Pavillons im Bürgergarten ausweichen.
 

2014

Die Rattenfängersage und ihre Aufführungstradition in Hameln wurden in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit wurde die kulturelle Bedeutung des Freilichtspiels auch auf nationaler Ebene offiziell anerkannt.
 

2026

Mit der Spielsaison 2026 begeht das Rattenfänger-Freilichtspiel sein 70-jähriges Jubiläum in ununterbrochener Tradition seit 1956. Das Spiel ist ein fester Bestandteil der kulturellen Identität Hamelns und wird von der Hameln Marketing und Tourismus GmbH veranstaltet und vermarktet.

 

 

Über uns:

Die Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) verbindet Tourismus, Stadtmarketing, Kommunikation und Veranstaltungen. Als Geschichtenerzähler, Erlebnisgestalter und Botschafter unserer Stadt machen wir Hameln für Gäste und Menschen vor Ort sichtbar und erlebbar. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir Angebote, erzählen Hamelns Geschichten und setzen Impulse für eine attraktive und lebendige Rattenfängerstadt. 

 

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