Manchmal genügt ein einziger Moment, damit der Alltag einer Stadt vollkommen aus dem Takt gerät – wenn nach starken Regenfällen ein Hochwasser droht, ein technischer Defekt die Stromversorgung lahmlegt oder aber ein Blindgängerverdacht eine Evakuierung nötig macht. Für genau solche Situationen, in denen viele organisatorische Räder gleichzeitig ineinandergreifen müssen, gibt es in der Hamelner Stadtverwaltung den Stab außergewöhnliche Ereignisse (SAE). Auch beim aktuellen Blindgängerverdacht und der Evakuierung am Sonntag, 26. April, ist der Stab im Einsatz – und organisiert, koordiniert und informiert.
Der SAE wird immer dann aktiviert, wenn besondere Gefahren schnelle, abgestimmte Entscheidungen erfordern und Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig werden. „Das gilt beispielsweise, wenn viele Menschen evakuiert, versorgt oder untergebracht werden müssen oder wenn stadtweit koordinierte Schutzmaßnahmen erforderlich sind“, sagt Christian Campe, Fachbereichsleiter Recht und Sicherheit im Hamelner Rathaus und Leiter des Stabes. Zusammen mit der Ersten Stadträtin Martina Harms, Stadtkämmerer Matthias Struckmeyer und Stadtbaurat Markus Pfeiffer bildet er die administrative-organisatorische Einsatzleitung. Als politisch gesamtverantwortlich steht Oberbürgermeister Claudio Griese an der Spitze des Stabes.
Alle anderen Aufgaben übernehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der gesamten Verwaltung. Ihre Kompetenzen und ihr Sachwissen werden im Stab gebündelt, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. „Alle Mitglieder des Stabes übernehmen diese Aufgabe zusätzlich zu ihrem regulären Arbeitsalltag – das bedeutet ein erhöhtes Arbeitspensum im Alltag und oft auch spontane Einsätze am Abend, an Wochenenden oder sogar an Feiertagen“, betont Campe. „Dass so viele Beschäftigte diese zusätzliche Verantwortung übernehmen, ist für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger von großem Wert“, so Campe.
Die Mitglieder des Stabes bilden das organisatorische Rückgrat eines Einsatzes. Während die Leitung strategische Entscheidungen trifft und die politische Spitze die Gesamtverantwortung trägt, sorgt der Stab dafür, dass all diese Entscheidungen praktisch umgesetzt werden können. Dafür gliedert er sich in verschiedene Funktionsbereiche, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt haben. Einige kümmern sich um Personal, Räume und grundlegende Abläufe, andere behalten die Gesamtlage im Blick, koordinieren Maßnahmen im Einsatzgebiet oder stellen sicher, dass alle beteiligten Organisationen reibungslos zusammenarbeiten. Wieder andere sorgen dafür, dass Material, Infrastruktur und Versorgung bereitstehen, oder bereiten Informationen so auf, dass Bevölkerung, Medien und Einsatzkräfte jederzeit wissen, was wichtig ist. Insgesamt entsteht so ein eng verzahntes System, in dem jede Funktion ihren Teil dazu beiträgt, dass ein komplexer Einsatz strukturiert, sicher und effizient ablaufen kann. Es besteht keine gesetzliche Verpflichtung, einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse vorzuhalten. Die Stadt Hameln setzt dennoch auf diese Struktur, um im Ernstfall schneller und verlässlicher handeln zu können.
Unterstützt wird der Stab durch zusätzliche Fachberaterinnen und Fachberater – unter anderem vom Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Freiwilligen Feuerwehr sowie einem Verbindungsbeamten der Polizei.
Wenn am Sonntag, 26. April, 8500 Hamelnerinnen und Hamelner ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen, damit an der Springer Landstraße ein Blindgänger entschärft werden kann, tritt der Stab ab 4.30 Uhr seinen Dienst an. Im Schichtsystem bleiben die Stabsmitglieder bis zum Ende der Evakuierung im Einsatz. Über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dafür eingeplant. Was viele jedoch nicht sehen: Die Arbeit des Stabes läuft bereits seit Wochen im Hintergrund. Täglich kamen die Mitglieder zusammen, um den Einsatztag detailliert zu planen, Abläufe zu koordinieren und mögliche Szenarien durchzuspielen. „Am Evakuierungstag wird nur sichtbar, was zuvor seit Wochen vorbereitet worden ist. Ziel ist, dass dann alle Abläufe möglichst geordnet und reibungslos funktionieren. Am besten hat der Stab gearbeitet, wenn die Bürgerinnen und Bürger davon möglichst wenig merken“, sagt Campe.
Vor der aktuellen Evakuierung aufgrund einer Blindgängerentschärfung war der Stab außergewöhnliche Ereignisse zuletzt bei der Hochwasserlage im Dezember 2023 zusammengetreten.














































































































































































































































































































































































































































































































































