Blindgänger-Verdacht: Muss evakuiert werden?

Unter dem BHW-Parkplatz an der Springer Landstraße könnte ein Blindgänger liegen – also eine nicht detonierte Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Das hat die Stadt Hameln heute mitgeteilt. Vor Beginn von Bauarbeiten für eine Photovoltaikanlage seien routinemäßig Luftbilder ausgewertet worden. Dabei habe sich ein Verdachtspunkt ergeben, der nun weiter untersucht werden müsse. Sollte sich der Verdacht erhärten, komme auf die Stadt die größte Evakuierung seit Kriegsende zu. Mehrere tausend Einwohner müssten dann ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Noch sei aber nicht klar, ob es sich tatsächlich um einen Blindgänger handelt. Die Verwaltung hat sich nach Worten von Oberbürgermeister Claudio Griese bewusst dazu entschieden, die Öffentlichkeit frühzeitig einzubinden. „Transparenz steht für uns an oberster Stelle“, begründet der Rathauschef diesen Schritt. Nur so sei es möglich, das erforderliche Vertrauen aufzubauen und Verständnis für diese außergewöhnliche Lage zu gewinnen.

Bei Bauprojekten wie Photovoltaik-Großanlagen sei es üblich, über das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen historische Luftbilder auszuwerten, erklärt die Stadt. Auf den Fotos seien zahlreiche Krater, sogenannte Bombentrichter, zu erkennen. Diese Bereiche sind nach Darstellung der Verwaltung „unkritisch“ – die Bomben seien hier bereits detoniert.

An einer Stelle auf dem rund 3,6 Hektar großen Areal lasse sich allerdings nicht eindeutig feststellen, ob dort eine Fliegerbombe niedergegangen und nicht explodiert ist, es sich also möglicherweise um einen Blindgänger handelt. Dieser Verdachtspunkt befinde sich in rund zehn bis elf Metern Tiefe auf der Mitte der Parkplatzfläche. Andere zunächst identifizierte Punkte auf dem Gelände hatten sich nach weiteren Messungen nicht als Verdachtspunkte bestätigt.

„Bei dem weiterhin bestehenden Verdachtspunkt handelt sich ausdrücklich nur um einen Verdacht – ob dort tatsächlich ein Blindgänger liegt, ist derzeit nicht gesichert“, sagt OB Griese. Bei ersten Untersuchungen durch eine Spezialfirma hätten die eingesetzten Sonden jedoch deutlich ausgeschlagen und auf metallische Strukturen im Boden hingewiesen, die sowohl zu Bombenresten als auch zu einer nicht detonierten Bombe passen könnten.

Um die Lage genauer einschätzen zu können, solle rund um den Verdachtspunkt weiter gegraben werden. Dazu werde eine von der Bauherrin beauftragte Fachfirma ab dem 12. März eine Spundwand in das Erdreich einpressen. „Dies muss weitgehend erschütterungsfrei erfolgen“, erläutert die Stadt. Ab dem 1. April werde dann ebenfalls durch das Fachunternehmen eine Baugrube ausgehoben, so dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit einer sogenannten technischen Vorerkundung beginnen könne. Dafür werde der Verdachtspunkt bis auf eine letzte Schicht Erde freigelegt. Diese Vorerkundung soll nach Informationen aus dem Rathaus um den 10. April abgeschlossen sein. Dann werde voraussichtlich Klarheit bestehen. „Bis dahin besteht kein Anlass zur Sorge“, betont Griese.Alle Schritte erfolgen routinemäßig und mit großer Sorgfalt.“

Sollte sich der Verdacht einer nicht detonierten Weltkriegsbombe bestätigen, wird es ernst: In diesem Fall müsse der Blindgänger zeitnah entschärft werden, heißt es aus dem Rathaus. Ein Termin dafür stehe schon fest: Am Sonntag, 26. April, sollen die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes anrücken. Anwohnerinnen und Anwohner in einem Umkreis von rund einem Kilometer um den Fundort müssten an diesem Tag evakuiert werden. Betroffen sind nach ersten Schätzungen der Verwaltung etwa 3.100 Bürgerinnen und Bürger.

Die Stadt bereite sich aktuell vorsorglich auf diesen Fall vor, um bei Bedarf einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. So planen die Verantwortlichen eine Sammelunterkunft für alle Bürger, die ihre Wohnungen verlassen müssen. Diese wird sich in der Rattenfängerhalle befinden. Die B 217 und die B 1 müssten gesperrt, der Zugverkehr auf der unmittelbar angrenzenden Bahnstrecke müsste vorübergehend eingestellt werden. Der Stab Außergewöhnliche Ereignisse der Stadt habe bereits seine Arbeit aufgenommen und koordiniere die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und den Hilfsorganisationen.

Aktuelle Informationen rund um den Blindgänger-Verdacht an der Springer Landstraße sowie Antworten auf die wichtigsten Fragen stellt die Stadtverwaltung unter www.hameln.de sowie auf den städtischen Accounts bei Facebook und Instagram zur Verfügung. Die Stadt wird ab Donnerstag ein Bürgertelefon schalten, das unter der Telefonnummer 0800/4263565 montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr erreichbar ist.  

 

Wer von einer möglichen Evakuierung betroffen ist

Sollte es sich bei dem Verdachtspunkt tatsächlich um einen Blindgänger handeln, müssten etwa 3.100 Anwohnerinnen und Anwohner in einem Radius von einem Kilometer um den Fundort evakuiert werden. Die Stadt wird den Evakuierungsbereich noch weiter konkretisieren, es sind also vereinzelt noch Änderungen möglich. Nach heutigem Stand wären folgende Straßen betroffen:

  • Ahornweg 6- 52 (gerade)
  • Alte Heerstraße 2-80 (gerade), 1-81 (ungerade)
  • Am Güterbahnhof 31
  • Am Pappelhain (alle)
  • Am Remtebach 1-13 (ungerade)
  • Amselweg (alle)
  • Breslauer Straße 2-4 (gerade, 3 (ungerade)
  • Bunsenstraße (alle)
  • Dornenreeke (alle)
  • Drosselweg (alle)
  • Düth 18-20 (gerade), 15-21 (ungerade)
  • Elsterweg (alle)
  • Fasanenweg (alle)
  • Finkenweg (alle)
  • Friedrich-List-Straße (alle)
  • Habichtshöhe (alle)
  • Hamelner Straße 2-70 (gerade), 21-57 (ungerade)
  • Hastenbecker Landstraße 1
  • Hastenbecker Weg 72-90 (gerade) 33-57(ungerade)
  • Hinter den Höfen 2-12 (gerade)
  • Hottenbergsfeld 40-52 (gerade), 39-55 (ungerade)
  • Im Bögen (alle)
  • Im Duvenanger (alle)
  • Kieler Straße 1 + 2
  • Kolonie (alle)
  • Kranichfeld (alle)
  • Kriegerdenkmal (alle)
  • Kuckuck (alle)
  • Langes Feld 2-4 & 22-26 (gerade), 1-5 & 21-25 (ungerade)
  • Lerchenanger (alle)
  • Liebigstraße (alle)
  • Luhbahnstraße (alle)
  • Lüdecken Garten (alle)
  • Marienthaler Straße (alle)
  • Meisenbrink (alle)
  • Meyers Grund(alle)
  • Nachtigallenweg (alle)
  • Niederes Feld (alle)
  • Rohden (alle)
  • Rohrser Kapelle 10-12 (gerade)
  • Rohrser Warte (alle)
  • Röntgenstraße (alle)
  • Spatzenweg (alle)
  • Springer Landstraße 21 (ungerade)
  • St. Georg-Straße (alle)
  • Teutberg (alle)
  • Vogelsang 1-5 (ungerade)
  • Vogts Busch 16- 34 (gerade), 15-33 (ungerade)
  • Vor den Gründen 18-38 (gerade), 17-37 (ungerade)
  • Werner-Peix-Straße (alle)
  • Zeisigbusch (alle)
  • Zum Kalkofen 26-42 (gerade), 29-43 (ungerade)
  • Zur Lust (alle)
zurück zur Übersicht