Erleben Sie Hameln auf dem besonderen Weg

Willkommen beim historischen Altstadtrundgang "Auf den Spuren des Rattenfängers" durch die Hamelner Altstadt. Hier möchten wir Sie mit den wichtigsten Punkten unserer Stadt vertraut machen.

Um den Rundgang zu starten, klicken Sie in der Karte einfach auf die Ziffer 1: Sie bekommen einen Überblick über die Straße und die jeweiligen Sehenswürdigkeiten, die Sie hier finden. Anhand der weiteren Ziffern können Sie sich weiter durch die Straßen und Gassen klicken und so einen wunderbaren ersten Eindruck von Hameln bekommen.

Der „Historische Stadtrundgang“ mit Altstadtplan, Infotexten und Fotos zu den einzelnen Häusern steht auch als Download zur Verfügung.

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  • 1 Osterstraße

    Die Osterstraße wird als "platea orientalis" 1358 erstmals erwähnt. Der Name resultiert daraus, dass die Straße nach Osten führt. Durch das am Ende der Osterstraße gelegene ehemalige Ostertor sollen die Kinder nach der Rattenfänger-Sage am 26. Juni...

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    Sehenswürdigkeiten

    Rattenfängerhaus
    Garnisonskirche

  • 2 Osterstraße an der Ecke Kleine Straße

    Die Kleine Straße wurde 1349 als „Luttekestrate“ erstmals erwähnt. Durch einen Stadtbrand im Jahr 1684 war ein Großteil der dort befindlichen Häuser zerstört worden. Neun der wüst gewordenen Hausstellen wurden 1699 von der Landesregierung für die...

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    Sehenswürdigkeiten

    Stiftsherrenhaus
    Leisthaus
    Rikehaus

  • 3 Pferdemarkt

    Der Pferdemarkt liegt nördlich der Marktkirche und wurde 1402 als „Großer Markt“ erstmals erwähnt, im Gegensatz zum südlich der Marktkirche gelegenen „Lüttjen Markt“. Das alte Rathaus grenzte an den Pferdemarkt und so war dieser auch Teil des...

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    Sehenswürdigkeiten

    Dempterhaus
    Haspelmath und Pulverturm
    Marktkirche St.Nicolai
    Skulptur Öffnung des Eisernen Vorhangs

  • 4 Am Markt

    Im Mittelalter spielte sich der Handel in und um das Rathaus herum ab, das als Ort der Marktkontrolle (Ratswaage) integraler Bestandteil des Marktes war; daneben dienten Teile des Rathauses, besonders seine ebenerdigen Räume, dem Verkauf von Waren....

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    Sehenswürdigkeiten

    Hochzeitshaus

  • 5 Fischpfortenstraße

    Die Fischpfortenstraße wurde als „visportenstrate“ erstmals 1386 erwähnt. Sie führte ursprünglich zu einer der beiden Fischpforten (die zweite lag am Ende der Wendenstraße), die als Durchlass in der Stadtmauer Zugang zur Weser boten. Außerhalb der...

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    Sehenswürdigkeiten

    Weser / Werder
    Pfortmühle
    Wilhelm-Busch-Haus

  • 6 Wendenstraße

    Die Wendenstraße wurde im 15. Jahrhundert erstmals als "Wennekenstrate" erwähnt. Die Deutung des Straßennamens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Im alten Niederdeutsch bedeutet "wenneke" oder "wenke" ein grobes Kleidungsstück aus Wolle und...

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    Sehenswürdigkeiten

    Bürgerhus
    Lückingsches Haus

  • 7 Bäckerstraße

    Die Bäckerstraße wird zwischen 1267 und 1288 als „platea pistorum“ erstmalig erwähnt. Dies ist zugleich die älteste bekannte Überlieferung eines Hamelner Straßennamens. Die Bäckerinnung gehörte neben den Innungen der Schlachter und Weber zu den...

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    Sehenswürdigkeiten

    Rattenkrug

  • 8 Münsterkirche

    An der Münsterkirche befand sich ursprünglich die Begräbnisstätte der Stadt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde diese außerhalb der Stadtmauern – an die heutige Deisterstraße – verlegt. Auf dem Friedhof an der Münsterkirche wurden nur...

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    Sehenswürdigkeiten

    Münster St. Bonifatius

  • 9 Kopmanshof

    Der Kopmanshof ist 1980 im Zuge der Altstadtsanierung neu entstanden. Die Straße dient vor allem als Anlieferstraße für die Geschäfte an der Oster- und Bäckerstraße, die 1975 beziehungsweise 1978 zur Fußgängerzone umgewandelt worden sind. Kopmanshof...

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    Sehenswürdigkeiten

    Kurie Jerusalem

  • 10 Alte Marktstraße

    Das gesamte Viertel zwischen Alte Marktstraße und Neue Marktstraße hieß im Mittelalter "Das neue Markt", wohl im Sinne der Entstehung einer Neustadt in Bezug auf die ältere Stiftssiedlung.
    Die Alte Marktstraße wird auf einem Stadtplan von 1761 "Das...

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    Sehenswürdigkeiten

    Redenhof

  • 11 Bungelosenstraße

    Die Bungelosenstraße, 1475 erstmals erwähnt, ist die "Trommellose-Straße" (Bunge = Trommel). Sie erinnert an den Auszug der Kinder in der Rattenfängersage. Über diese Gasse, die zum Ostertor führte, sollen die Kinder Hameln 1284 in Richtung Osten...

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Altstadtrundgang

Wir laden Sie ein, bei unserem digitalen Stadtrundgang Hameln zu erleben. Hier finden Sie Informationen zu den Sehenswürdigkeiten und können sich so optimal auf Ihren Besuch vorbereiten. Klicken Sie sich doch einfach mal durch ...

  • 1 Osterstraße (Rattenfängerhaus, Garnisonskirche)

    Die Osterstraße wird als "platea orientalis" 1358 erstmals erwähnt. Der Name resultiert daraus, dass die Straße nach Osten führt. Durch das am Ende der Osterstraße gelegene ehemalige Ostertor sollen die Kinder nach der Rattenfänger-Sage am 26. Juni 1284 ausgezogen sein. Die Osterstraße ist heute Fußgängerzone und eine der Haupteinkaufsstraßen der Hamelner Altstadt.

    Rattenfängerhaus

    Das Rattenfängerhaus trägt seinen Namen (seit etwa 1900) aufgrund der Inschrift, die sich seitlich am Haus in der Bungelosenstraße befindet. Die Inschrift lautet:

    ANNO 1284 AM DAGE JOHANNIS ET PAULI WAR DER 26 JUNII DORCH EINEN PIPER MIT ALLERLEI FARVE BEKLEDET GEWESEN CXXX KINDER VERLEDET BINNEN HAMELEN GEBON TO CALVARIE BI DEN KOPPEN VERLOREN (Im Jahre 1284 am Tage Johannis und Pauli war der 26. Juni durch einen Pfeifer mit allerlei Farbe bekleidet gewesen 130 Kinder verleitet in Hameln geboren zu Kalvarie bei den Koppen verloren)

    Das 1602/03 durch den Ratsherrn Hermann Arendes erbaute Haus zeigt alle Stilelemente des Baustils der Weserrenaissance. Arendes war auch Baumeister; vielleicht hat er den Bau selbst entworfen. Die zweigeschossige Utlucht hatte zur Erbauungszeit eine Bekrönung. Eine Utlucht (niederdeutsch für Auslucht, vermutlich verwandt mit Auslug in der Bedeutung von aus und lugen) ist ein aus der Gebäudefront vorspringendes und grundsätzlich bereits im Erdgeschoss beginnendes Bauteil zur Erweiterung des Innenraums. Damit unterscheidet sie sich vom Erker, der erst ab einem der oberen Geschosse auskragt. Utluchten entstanden etwa ab dem 16. Jahrhundert zur besseren Belichtung der Innenräume und zur Gliederung der Fassaden. Seit 1917 ist das Haus im Besitz der Stadt Hameln.

    Garnisonskirche

    Die Garnisonkirche wurde 1713/14 erbaut und diente bis 1843 der Garnison Hameln als Gotteshaus. Sie wird aufgrund der oxidierten Kupfereindeckung des achteckigen Dachaufbaus (Dachreiter) von den Hamelnern auch "Grüner Reiter" genannt. 1830 bis 1835 war die Garnisonkirche Wirkungsstätte von Karl Johann Philipp Spitta (1801-1859), Theologe und Dichter geistlicher Lieder, der in Hameln Gefängnisseelsorger und Garnisonprediger war. Seit 1929 befindet sich hier die Stadtsparkasse.

  • 2 Osterstraße an der Ecke Kleine Straße (Stiftsherrenhaus, Leisthaus, Rikehaus)

    Die Kleine Straße wurde 1349 als „Luttekestrate“ erstmals erwähnt. Durch einen Stadtbrand im Jahr 1684 war ein Großteil der dort befindlichen Häuser zerstört worden. Neun der wüst gewordenen Hausstellen wurden 1699 von der Landesregierung für die Ansiedlung von hugenottischen Glaubensflüchtlingen aus Frankreich neu auf- und ausgebaut. Die Straße wurde daher im 18. Jahrhundert auch Franzosenstraße genannt.

    Stiftsherrenhaus

    Das Stiftsherrenhaus wurde 1558 vom Kaufmann und Bürgermeister Friedrich Poppendiek erbaut. Die Front zeigt in drei Zonen reichen ornamentalen und figürlichen Schmuck, zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss, zwischen 1. und 2. Obergeschoss und unter der Dachtraufe. Außer den antiken Planetengöttern in der Traufzone erscheinen zahlreiche biblische Bildmotive – Gottvater, Christus, Apostel, David, Simson, Kain und Abel. In Hameln ist es das einzige Fachwerkhaus der Renaissance mit figürlichen Darstellungen.

    Diese Motive haben dem Haus in späterer Zeit den Namen Stiftsherrenhaus eingetragen. Nur einem geistlichen Herren wurde eine solche Häufung von religiösen Bildwerken zugetraut. Das Stiftsherrenhaus ist mit dem Leisthaus durch eine Brücke verbunden. Die beiden Häuser beheimaten das Hamelner Museum, wobei sich im Stiftsherrenhaus das Museumscafé befindet.

    Leisthaus

    Das Leisthaus wurde von Cord Tönnis für den Patrizier und Kornhändler Gerd Leist 1585/89 erbaut. Teile der mit Merkmalen der späten Weserrenaissance reich gestalteten und dekorierten Fassade sind original: Die Werksteingliederung durch Säulen, Gesimse, Roll- und Beschlagwerk, die Giebelkonstruktion mit Voluten und Obelisken, die Utlucht mit acht Tugendallegorien auf dem Brüstungsfries, einer vollplastischen Lukretia-Figur im Giebelfeld und vergoldetem Neidkopf in der Giebelspitze. Neid- und Abwehrköpfe haben nicht die Aufgabe den Betrachter zu erschrecken, sondern sie sollen den Neid und das Unheil vom Haus abwehren (Brand, Hochwasser, Missernten, Hungersnot und Seuchen).

    Die Bemalung der Wandflächen mit Ziegelsteinstruktur erfolgte nach Befund bei der letzten Restaurierung. Sie deutet auf niederländischen Einfluss hin und ist für die Bauornamentik dieser Epoche in der Weserregion ohne Beispiel. 1912 wurde im Leisthaus das Museum der Stadt Hameln eröffnet

    Rikehaus

    1576 ließ der Ratsherr Jost Rike dieses Haus mit niederländisch inspirierten Gestaltungselementen der Renaissance errichten. In einer rautenförmigen Öffnung des Schweifgiebels ist ein vollplastischer Neidkopf zu sehen. Neid- und Abwehrköpfe haben nicht die Aufgabe den Betrachter zu erschrecken, sondern sie sollen den Neid und das Unheil vom Haus abwehren (Brand, Hochwasser, Missernten, Hungersnot und Seuchen).

    Das Portal ist flankiert von zwei schlichten Utluchten: Eine Utlucht (niederdeutsch für Auslucht, vermutlich verwandt mit Auslug in der Bedeutung von aus und lugen) ist ein aus der Gebäudefront vorspringendes und grundsätzlich bereits im Erdgeschoss beginnendes Bauteil zur Erweiterung des Innenraums. Damit unterscheidet sie sich vom Erker, der erst ab einem der oberen Geschosse auskragt. Utluchten entstanden etwa ab dem 16. Jahrhundert zur besseren Belichtung der Innenräume und zur Gliederung der Fassaden.

  • 3 Pferdemarkt (Dempterhaus, Haspelmath und Pulverturm, Marktkirche St.Nicolai, Skulptur Öffnung des Eisernen Vorhangs)

    Der Pferdemarkt liegt nördlich der Marktkirche und wurde 1402 als „Großer Markt“ erstmals erwähnt, im Gegensatz zum südlich der Marktkirche gelegenen „Lüttjen Markt“. Das alte Rathaus grenzte an den Pferdemarkt und so war dieser auch Teil des Marktgeschehens, das sich rund um das Rathaus abspielte. Als großer freier Platz innerhalb der Stadtmauern war er vermutlich auch Schauplatz für ritterliche Zweikämpfe. Für das Jahr 1330 ist ein Kampf zwischen Burchard von Schwalenberg und Otto von der Lippe belegt, der „bynnen der stad Hamelen benomen ist“.

    Im 18. Jahrhundert wurde der Pferdemarkt als Hinrichtungsstätte genutzt.

    Dempterhaus

    "Tobias von Dempter und Anna Bocks ließen mich erbauen" schreibt 1607 der spätere Bürgermeister der Stadt Hameln in lateinisch über seinen Eingang. Die Eltern des Bauherren hatten im 16. Jahrhundert aus religiösen Gründen die Niederlande (Deventer) verlassen. Ganz im Stil der Renaissance ist die Horizontale der Fassade deutlich betont. Dies bewirkt die schichtweise Anordnung von Bänderungen. Dabei wechseln sich glatte, unbehandelte Bänder ab mit solchen aus Bossenquadern, die kleine Einkerbungen in gleichmäßiger Vertiefung aufweisen: den Kerbschnitt.

    Darüber liegen das ehemalige Speichergeschoss und die Dachgeschosse, die in Fachwerkkonstruktion mit reichem Beschlagwerk ausgeführt wurden. Diese Ornamente haben ihren formalen Ursprung im Schmiedehandwerk und erinnern daher nicht von ungefähr an Beschläge von hölzernen Truhen oder Türen.

    Haspelmath und Pulverturm

    Wie viele mittelalterliche Städte war auch Hameln von einer Stadtmauer mit Türmen umgeben. 1333 ist der erste Turm erwähnt; später gab es etwa 22 davon. Die Schleifung der Festung Hameln auf Befehl Napoleon I. im Jahr 1808 haben nur der Haspelmath- und der Pulverturm überstanden sowie ein letzter Rest Stadtmauer als Außenwand des "Hugenottenhauses" im Süden des Altstadtringes.

    Der Haspelmathturm wurde um 1450 erbaut. Er ist nach dem Hamelner Tierarzt Friedrich Haspelmath (1790-1856) benannt, der den Turm zwischenzeitlich erwarb und zur Ausstellung seiner Kunstsammlung nutzte, die später dem Museumsverein übergeben wurde. 1991 wurde der Haspelmathturm saniert und 1992 zum Domizil der Künstlergruppe Arche.

    Der Pulverturm stammt ebenfalls aus dem Mittelalter. 1995 erhielt er nach Sanierung und Errichtung eines Anbaus eine neue Nutzung durch eine kunsthandwerkliche Glasbläserei. Die zwischen Haspelmath- und Pulverturm liegende Stadtmauer wurde Anfang der 1990er Jahre in ursprünglicher Lage und Höhe neu errichtet.

    Marktkirche St.Nicolai

    Die Marktkirche St. Nicolai ist Hamelns zweitälteste Kirche und liegt im Zentrum der Altstadt neben dem Hochzeitshaus. Eine Turmbesteigung bietet einen schönen Ausblick über Stadt und Land. Der Name St. Nicolai kommt von dem Heiligen Nikolaus, Bischof aus Myra in der heutigen Türkei aus dem 6. Jahrhundert. Er wurde im Mittelalter sehr populär, zum Beispiel als Schutzheiliger der Schifffahrt. Die Namensgebung der Kirche kann wohl im Zusammenhang mit der Handelsschifffahrt auf der Weser im Mittelalter gesehen werden.

    • 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts: Einschiffiger Saalbau, dessen Fundamente beim Wiederaufbau zwei Meter unter dem Boden freigelegt wurden
    • 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts: Romanische Basilika, deren äußere Querhauswände mit dem Bruchsteinmauerwerk und den Rundbogenfenstern in der Süd- und Nordwand erhalten sind
    • 1250 bis 1260: Umbau der Basilika zur Hallenkirche. Fortsetzung der Querschiffarchitektur nach Westen (wie man an den 5 Seitenschiffgiebeln von außen erkennen kann)
    • 1290 bis 1310: Erweiterung der Hallenkirche nach Osten, Anbau von Chor und Sakristei
    • 1511: Erhöhung des Turmstumpfes, Errichtung der Helmpyramide
    • 1764 bis 1768: Wiederherstellung der im Siebenjährigen Krieg beschädigten Kirche, Errichtung eines Satteldachs über dem Mittel- und südlichen Seitenschiff, Erneuerung der Fenster und barocke Innenausstattung
    • 5. April 1945: Zerstörung der Kirche bis auf die Umfassungsmauern, die beiden östlichen Gewölbejoche, Chor und Sakristei
    • 1957 bis 1959: Wiederaufbau als Pseudobasilika mit gerader Decke unter Verwendung des östlichen Gewölbejochs mit Chor und Errichtung eines neuen Turms. Feierliche Wiedereinweihung am 6. Dezember 1959
    • 1966: Fertigstellung der neuen Orgel aus der Werkstatt von Beckerath, Hamburg
    • 1987 bis 1995: Renovierung der Marktkirche einschließlich ihrer Ausstattung und Kunstwerke.

    Skulptur Öffnung des Eisernen Vorhangs

    Die Skulptur "Die Öffnung des Eisernen Vorhangs" des Bildhauers Wolfgang Dreysse aus Quedlinburg in Form einer großen Litfasssäule wurde von der bekannten Hamelner Firma Vogeley zum 100jährigen Bestehen des Unternehmens 1992 gestiftet. Firmeninhaber Hans-Wilhelm Vogeley machte den Wegfall der innerdeutschen Grenze zum Thema des Kunstwerks. In Verbindung mit den persönlichen Erlebnissen des Bildhauers um 1989 und später erzählt die Skulptur von den Begebenheiten des Aufbruchs nach der Grenzöffnung.

    Der Betrachter erkennt unter anderem die Frauengestalt aus Delacroix´ Bild "Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden", den Bürgermeister von Quedlinburg mit seinem Rathaus im Arm, eine Kerze als Symbol des friedlichen Volksbegehrens im Herbst 1989 und eine Banane in der Hand eines Jungen als Ausdruck der für den Osten neuen Macht des Konsums. Auf den Auftraggeber Vogeley wird durch ein Vogelnest angespielt.

  • 4 Am Markt (Hochzeitshaus)

    Im Mittelalter spielte sich der Handel in und um das Rathaus herum ab, das als Ort der Marktkontrolle (Ratswaage) integraler Bestandteil des Marktes war; daneben dienten Teile des Rathauses, besonders seine ebenerdigen Räume, dem Verkauf von Waren. In den mittelalterlichen Quellen wird daher das Rathaus auch als „kophus“ bezeichnet.

    Das alte Hamelner Rathaus stand vor dem Hochzeitshaus und der Marktkirche und wurde am 5. April 1945 zerstört. Ein Modell findet sich an der Ostseite der Marktkirche in der Emmernstraße.

    Belegt ist für das 14. Jahrhundert, dass sich Verkaufsstände an Rathaus und Marktkirche befunden haben. In einer Zinsbeschreibung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts heißt es: „Von zwei Buden, vor dem Rathaus gelegen, 18 Schillinge.“ Die Händler hatten für ihre um und im Rathaus gelegenen Verkaufsstände also eine Art Standgebühr zu entrichten.

    Bekannte Verkaufsstände waren die der Knochenhauer und Bäcker, nämlich der Fleischerscharren und die Bäckerscharren (Scharren = Tische und Bänke bzw. Gebäude, die dem Verkauf von Fleisch und Brot dienen). Der Fleischerscharren war bis zum Jahr 1726 mit dem Haus Osterstraße 52 verbunden (heute: Bäckerei Bäckerscharren). Einer der Bäckerscharren war mehrere Jahrhunderte mit dem Haus Osterstraße 51 (heute: Rathsapotheke) verbunden, wurde 1788 zwischen das Rathaus und das Hochzeitshaus verlegt und bestand dort bis 1946. Platten aus dem Giebel des 1946 abgebrochenen Bäckerscharrens sind an der Südwestecke des Hochzeitshauses unterhalb des Glockenspiels angebracht worden.

    Ein zweiter Bäckerscharren war mit dem Rathaus verbunden und wurde dort 1699 bei baulichen Veränderungen „ruiniert“. Erstmals erwähnt wurde ein Scharren in einem Güter- und Einkünfteverzeichnis der Kanoniker des Bonifatiusstiftes um 1315. Diese erhielten „von einem Scharren nahe bei der Marktkirche 4 Schillinge“. Der Zwang, Fleisch und Brot nur in den Scharren zu verkaufen, wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgehoben. 

    Hochzeitshaus

    Das Hochzeitshaus wurde 1610-1617 als Fest- und Feierhaus der Bürgerschaft errichtet und trug bis in das 19. Jahrhundert hinein einfach den Namen das „Neue Gebäude“. Es ist das letzte im Stil der Weserrenaissance erbaute Gebäude in Hameln, denn bereits im Jahr nach der Fertigstellung beschneidet der 30jährige Krieg die Entwicklung der Bautätigkeit. Neben einem großen Saal und Räumen für die Lagerung der städtischen Waffen sollten städtische Einrichtungen wie die Ratsapotheke, die Ratswaage und die Weinschenke in dem Gebäude untergebracht werden. Daher wurden die drei Portale an der Osterstraße mit Inschriften versehen, die auf den jeweiligen Zweck des Gebäudeteils hinweisen.

    Der große Festsaal befand sich im zweiten Stockwerk (1. OG). Im zweiten Obergeschoss befand sich eine Rüstkammer der städtischen Wehr, im Erdgeschoss eine Weinschenke sowie eine Ratsapotheke. Diese wurde ab 1821 von Friedrich Wilhelm Sertürner (1783-1841), dem Entdecker des Morphiums, geführt. Die Ratswaage wurde entgegen den Plänen nicht im Hochzeitshaus untergebracht. Schon 1652 hatte der Rat der Stadt eine „Ordnung wegen der Hochzeiten und Kindtaufen“ erlassen, um übertriebenen Luxus bei den Feierlichkeiten zu unterbinden. Endgültig untersagt wurden die Feiern im 18. Jahrhundert – im Mai 1721 fand die letzte Hochzeitsfeier statt.

    Der 43 Meter lange Baukörper aus Sandstein ist ganz in der Tradition der Weserrenaissance betont horizontal gegliedert. Über die Giebel- und Traufseiten sind umlaufend breite Gurtgesimse angeordnet. Bänder aus Bossenquadern mit Kerbschnittmotiv wechseln sich schichtenweise mit glatten, schmucklosen Bändern ab. Die hohen Volutengiebel und die drei Zwerchhäuser der südlichen Traufseite erinnern sehr stark an die Bauplastik am Schloss Hämelschenburg. 1931-1932 wurde das Hochzeitshaus für die Zwecke der Stadtverwaltung umgebaut. Dabei wurde auf der Nordseite am Lüttjen Markt ein Erker errichtet, der mit Glasfenstern von Rudolf Riege (Bilder) und Bernhard Flemes (Texte) versehen ist.

    Das Glockenspiel am Hochzeitshaus ersetzte 1964 die 1934 im alten Rathaus angebrachte und am 5. April 1945 durch den Krieg zerstörte Rattenfänger-Kunstuhr. Das Glockenspiel spielt täglich um 9.35 Uhr das Rattenfängerlied "Wandern ach wandern durch Berg und Tal." Text von Walther Schulte vom Brühl (1858-1921), vertont von Adolf Neuendorff (1843-1897) und um 11.35 Uhr das Weserlied: "Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen." Text von Franz von Dingelstedt (1814-1881), vertont von Gustav Pressel (1827-1890). Um 13.05 Uhr, 15.35 Uhr, 17.35 Uhr öffnet sich die Bronzetür und Sie können das Figuren- und Glockenspiel mit der Rattenfängersage sehen. Die Melodie stammt von Jürgen Langehein (1923-1992). Die Figuren wurden von Harro Siegel (1900-1985) entworfen und von Walter Volland (1898-1980) ausgeführt.

  • 5 Fischpfortenstraße (Weser / Werder, Pfortmühle, Wilhelm-Busch-Haus)

    Die Fischpfortenstraße wurde als „visportenstrate“ erstmals 1386 erwähnt. Sie führte ursprünglich zu einer der beiden Fischpforten (die zweite lag am Ende der Wendenstraße), die als Durchlass in der Stadtmauer Zugang zur Weser boten. Außerhalb der Mauer befand sich der Anlegeplatz für die Weserschiffe, hier wurden die für Hameln bestimmten Waren gelöscht. Hier mussten aber auch die Schiffe, die die Weser komplett befuhren, ihre Waren ausladen, um das berüchtigte „Hamelner Loch“ zu passieren.

    Das „Hamelner Loch“ oder die Fiehre war eine Aussparung am unteren Weserwehr, an dem die Schiffe herabgelassen oder heraufgezogen wurden. Bis zum Bau der ersten Schleuse auf dem Werder 1732-1734 war dies die einzige Möglichkeit, den durch die beiden Wehre gebildeten Höhenunterschied der Weser zu überwinden.

    Weser / Werder

    Die Hamelner Altstadt wird im Westen von der Weser begrenzt. Die Weserpromenade erstreckt sich vom Wohnmobilstellplatz an der sogenannten Hafenquere im Süden bis zum Krankenhaus an der Weser im Norden über rund 1,5 Kilometer.

    Hier, im Zentrum Hamelns, liegt inmitten des Flusses eine Insel, das Werder. Direkt neben der historischen Pfortmühle verbindet eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer die Altstadt mit dem Werder. Die Insel bietet Einheimischen und Touristen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten im Grünen, unter anderem ein Café mit Biergarten. Auf dem Werder wird 1732 bis 1734 die erste Hamelner Schleuse gebaut, deren unterer Vorhafen an der Westseite noch gut zu erkennen ist. Das Schleusengelände selbst ist heute überbaut. Die zweite Schleuse wird 1868 bis 1871 errichtet und noch bis 1987 als Ausweichmöglichkeit genutzt. Danach wird am Unterhaupt der Schleuse eine Turbinenanlage zur Stromerzeugung eingebaut. Die Schleuse selbst steht unter Denkmalschutz. Für die Schifffahrt wird heute die Schleppzugschleuse, die 1929-33 am westlichen Weserufer oberhalb der Münsterbrücke gebaut wurde, genutzt.

    Auf dem zur Münsterbrücke gelegenen Teil des Werders sind über Jahrhunderte verschiedene Mühlenbetriebe (Säge-, Öl- und Lohmühle) angesiedelt, bis der gesamte Komplex 1884/85 von dem Unternehmer Friedrich Wilhelm Meyer mit einer industriellen Großmühle überbaut wird. Die Werdermühle als Teil der Wesermühlen wird 1945 zerstört.

    Pfortmühle

    Schon im Jahr 1405 wird eine bei der Fischpforte angelegte und nach ihr so benannte Pfortmühle bezeugt. Ursprünglich im Besitz der Stadt, geht die Mühle 1879 in Privatbesitz über. Der Unternehmer Friedrich Wilhelm Meyer (Wesermühlen), der bereits 1872 die Werdermühle (1945 zerstört) aufgekauft hatte, lässt nach einem Brand 1894/95 das jetzige Gebäude der Pfortmühle errichten.

    Der große, das Weserufer beherrschende Bau wird nach Plänen des hannoverschen Architekten Lingemann in Ziegelbauweise erstellt. Der großflächige, attikagefasste Baukörper wird durch den Wechsel von gelben und hellroten Ziegeln sowie durch Pilaster gegliedert. Zur Weserseite ist die Attika von zwei weiblichen Figuren und einem bekröntem Wappenschild, das die Initialen des Erbauers enthält, belegt.

    1912 wird ein turbinengetriebener Generator installiert, der noch heute erhalten und im Bereich des Restaurants zu besichtigen ist. Im Rahmen der Altstadtsanierung kauft die Stadt das Gebäude, das bis 1968 als Mühle genutzt wurde, wieder an und lässt es Ende der 1980er Jahre für die Zwecke der Stadtbücherei sanieren, die 1990 das Gebäude bezieht. Seit Ende 2003 sind auch das Stadtarchiv und das städtische Kulturbüro in der Pfortmühle untergebracht.

    Wilhelm-Busch-Haus

    In diesem Haus in der Fischpfortenstraße war manchmal Wilhelm Busch zu Gast, dessen Verwandtschaft 1847 hier eingeheiratet hatte. Das Gebäude wurde um 1560 als giebelständiges, dreigeschossiges Haus mit Vorkragungen des 2. Ober- und Dachgeschosses errichtet. Die unteren zwei Geschosse waren ursprünglich in der älteren Ständerbauweise errichtet. Um 1850 wurde die Fassade in Stockwerksbauweise neu gestaltet. Das Fachwerk des Hauses weist reiche Verzierungen mit Fächerrosetten und Flechtbändern auf. Die Füllhölzer und Schwellen sind durch mit Perlstäben besetzte Taubänder verziert.

  • 6 Wendenstraße (Bürgerhus, Lückingsches Haus)

    Die Wendenstraße wurde im 15. Jahrhundert erstmals als "Wennekenstrate" erwähnt. Die Deutung des Straßennamens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Im alten Niederdeutsch bedeutet "wenneke" oder "wenke" ein grobes Kleidungsstück aus Wolle und Leinen. Möglicherweise haben Leinen- und Wollenweber in dieser Straße gewohnt und gearbeitet. Die historischen Gebäude in der Wendenstraße sind seit 2009 neu beleuchtet und bieten deshalb ab der Dämmerung ein besonderes Flair.

    Bürgerhus

    Dieses im Jahre 1560 durch die Ratsherrenfamilie Hollenstedt erbaute dreigeschossige Eckhaus in der Kupferschmiedestraße ist ein Schmuckstück des Fachwerks. Es hat zwei Utluchten; eine bauhistorische Besonderheit ist die Eckutlucht. Die Sackdiele des ehemaligen Ackerbürgerhauses ist noch erkennbar. Das Haus weist reiche Varianten des Rosettenmotivs auf. Die Füllhölzer zwischen den Balkenköpfen sind mit Taubändern geschmückt. Waagerechte Fachwerkhölzer, die Riegel, tragen ein wulstförmiges Profil, das in "Ankern" ausläuft. So wird optisch der erforderliche Zusammenhalt des Gefüges symbolisiert.

    Die Fenster des zweiten Obergeschosses zieren hölzerne sogenannte Vorhangbögen. Die Eckinschrift (in lateinisch und in gotischen Minuskeln) ist die längste erhaltene Hausinschrift in der Altstadt von Hameln. Das Gebäude gehört der Stadt Hameln und wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts aufwändig saniert.

    Lückingsches Haus

    Das Lückingsche Haus in der Wendenstraße 8 ist ein giebelständiges, dreigeschossiges Gebäude der Spätrenaissance mit abknickender Durchgangsdiele. Das Vorkragen der Geschosse ist im Vergleich zu gotischen Gebäuden nur noch schwach ausgebildet. Durch das Zurückspringen des Eingangs entstanden zwei vorgetäuschte Utluchten. Die Brüstungsplatten sind mit aufwändiger Beschlagwerkornamentik verziert.

    Henni Wichmann und seine Frau Magdalena Schwartze haben 1638 dieses mit besonders reichem Fachwerkschmuck ausgestattete Haus errichten lassen. Henni Wichmann ließ unter anderem den Psalm 127 aus der Luther-Bibel (nummeriert als Psalm 126 nach der Vulgata, der lateinischen Bibel) an seinem Haus anbringen: "Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst die dran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet wacht der Wächter umsonst". Das 1982 restaurierte Haus gehört der Stadt Hameln.

  • 7 Bäckerstraße (Rattenkrug)

    Die Bäckerstraße wird zwischen 1267 und 1288 als „platea pistorum“ erstmalig erwähnt. Dies ist zugleich die älteste bekannte Überlieferung eines Hamelner Straßennamens. Die Bäckerinnung gehörte neben den Innungen der Schlachter und Weber zu den ältesten und angesehensten Innungen in der Stadt. Das Brot wurde in bestimmten Verkaufsständen, den Scharren, verkauft (Weiteres siehe unter „Am Markt“). Heute ist die Bäckerstraße, die 1978 zur Fußgängerzone umgestaltet wurde, eine der Haupteinkaufsstraßen von Hameln.

    Rattenkrug

    Bei dem Haus Bäckerstraße 16 handelt es sich um ein gotisches Steinhaus, das 1568 eine Fassade im Stil der Weserrenaissance erhalten hat. Die rückwärtige Fassade zeigt noch den ursprünglich gotischen Stil. Bauherr dieser Veränderung war Johann Reiche (Rike), Mitglied einer der ältesten Hamelner Bürgerfamilien, Baumeister war Cord Tönnis, der auch das Leisthaus errichtet hat.

    Nach seinem Bauherrn wurde das Haus lange Zeit auch Rikehaus genannt. 1781 erfuhr es eine Erweiterung durch einen seitlichen Anbau mit einem großen Tor als Durchfahrt zum Hof. Seit 1870 wird das Haus als Gaststätte genutzt und trägt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts den Namen „Rattenkrug“.

  • 8 Münsterkirche (Münster St. Bonifatius)

    An der Münsterkirche befand sich ursprünglich die Begräbnisstätte der Stadt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde diese außerhalb der Stadtmauern – an die heutige Deisterstraße – verlegt. Auf dem Friedhof an der Münsterkirche wurden nur noch „Standespersonen“ und Mitglieder des Stifts beigesetzt (das Stift wurde 1848 aufgehoben; der letzte Stiftsherr starb 1862).

    Am Münsterkirchhof erinnern der 1912 errichtete Lachsbrunnen (Künstler: Clemens Werminghausen) an den Lachsfang in der Weser und das Schlägerdenkmal an Franz Georg Ferdinand Schläger (1781 – 1869), der von 1822 bis zu seinem Tode als Pastor und Seelsorger in Hameln wirkte. Neben seiner Tätigkeit als Geistlicher war Schläger in vielen außerkirchlichen Bereichen stark engagiert: so gab er 1823 als erste Zeitung am Ort die „Hamelnschen Anzeigen zum Besten der Armen" heraus, rief eine Sonntagsschule und eine Töchterschule ins Leben, beteiligte sich an der Gründung der Taubstummenanstalt in Hildesheim und der Blindenanstalt in Hannover. Auch die Gründung von einigen Hamelner Vereinen geht auf seine Initiative zurück, so die 1837 ins Leben gerufene Liedertafel, die noch heute besteht. 1847 und 1856 verlieh ihm die Göttinger Universität die theologische und philosophische Ehrendoktorwürde.

    Münster St. Bonifatius

    Das Münster St. Bonifatius, heute ev.-luth. Gemeindekirche, ist die älteste Kirche der Stadt. Eine Turmbesteigung bietet einen wunderbaren Blick über Stadt und Land.

    • 802 oder 812: Der sächsische Graf Bernhard und seine Frau Christina gründen auf ihrem Gut in Hameln eine Eigenkirche und bestimmen diese für sich zur Grablege
    • 826: Nach dem Tod von Graf Bernhard 826 gehen die Besitzungen des Grafenpaars im Raum Hameln an die Abtei Fulda über
    • Um 851: Die Reichsabtei Fulda gründet am Ort des heutigen Münsters ein Benediktinerkloster. Die Kirche wird dem heiligen Romanus geweiht. Vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wird das Kloster in ein Kollegiatstift umgewandelt
    • 1209: Die romanische Basilika wird durch einen Brand zerstört; der Neubau ist vermutlich zwischen 1230 und 1240 fertig gestellt
    • Um 1235/1241: Kirche und Stift werden nach dem heiligen Bonifatius bezeichnet. Ob zwischen 1235 und 1241 formal ein Patrozinienwechsel vom heiligen Romanus zum heiligen Bonifatius stattgefunden hat, ist in der Forschung umstritten. Das Romanuspatrozinium bleibt für die Krypta bestehen
    • 13./14. Jahrhundert: Die Kirche wird ständig erweitert und umgebaut – aus der romanischen Basilika entsteht eine gotische Hallenkirche
    • 1540: In Hameln wird die Reformation eingeführt. Die Gemeinde hält im Nordschiff der Münsterkirche lutherische Gottesdienste ab, während die Stiftsherren noch dem katholischen Glauben anhängen
    • 1576: Die Stiftsherren treten zum lutherischen Glauben über
    • 17. Jahrhundert: Einbau von Emporen und Priechen für Ratsmitglieder, einzelne Gilden und Familien
    • 1744: Aufsetzen der Barockhaube und der Laterne auf den Vierungsturm
    • 1756: Aufstockung des Westturms
    • 1760: Abbruch des Kreuzgangs wegen Erweiterung der Hamelner Festungsanlagen
    • 1803: Napoleonische Truppen besetzen die Münsterkirche und benutzen diese für militärische Zwecke. In der Folge wird das Gebäude u. A. als Pferdestall und Niederlage (=Warenlager) genutzt und verfällt immer mehr. Verlust der gesamten Innenausstattung
    • 1848: Aufhebung des Stiftes; Übergang des Besitzes an die Klosterkammer Hannover
    • 1870-1875: Restaurierung durch den Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase aus Hannover. Das nördliche Seitenschiff wird komplett abgebrochen und nach alten Plänen neu aufgebaut, der Vierungsturm erhält ein neues Fundament und der Innenraum wird im neugotischen Stil vollkommen neu gestaltet
    • 1952-1955: Renovierung der Krypta zur Nutzung als Nebenkirchenraum. Grabungen brachten älteste Fundamente der Kirche ans Licht
    • 1970-1976: Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie neue Ausgestaltung des Innenraums
    • 1972: Die Klosterkammer tritt ihren Besitzanteil an der Münsterkirche an die Gemeinde ab
    • 1980: Installation einer neuen Orgel (Marcussen-Orgel)
    • 2007-2008: Innenrenovierung
  • 9 Kopmanshof (Kurie Jerusalem)

    Der Kopmanshof ist 1980 im Zuge der Altstadtsanierung neu entstanden. Die Straße dient vor allem als Anlieferstraße für die Geschäfte an der Oster- und Bäckerstraße, die 1975 beziehungsweise 1978 zur Fußgängerzone umgewandelt worden sind. Kopmanshof ist die niederdeutsche Bezeichnung für Kaufmannshof.

    Kurie Jerusalem

    Die Kurien (oder auch Stiftskurien) waren die Wohnhäuser der Stiftsherren des Bonifatiusstiftes. Nach der Umwandlung des um 851 gegründeten Benediktinerklosters in ein Kollegiatstift – vermutlich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts – konnten die Stiftsherren ihren Wohnsitz außerhalb des eigentlichen Stiftsbezirks nehmen. Die Kurien trugen zum Teil biblische Namen, zum Teil waren sie nach ihren Besitzern benannt.

    Bei dem heute als Kurie Jerusalem bezeichneten Gebäude handelt es sich um das Speichergebäude einer Kurie, nicht um das Wohnhaus. Es ist um 1500 entstanden und die Fachwerkkonstruktion zeigt in der Art der Verzimmerung, den verwendeten kräftig dimensionierten Hölzern und dem sehr zurückhaltenden Balkenschmuck die typischen Merkmale gotischer Fachwerkbauweise. Die Kurie Jerusalem wurde im Rahmen der Altstadtsanierung 1976 umfassend restauriert und von der Eigentümerin, der Stadt Hameln, zu einem Ort vor allem für Kinder- und Jugendeinrichtungen um- und ausgebaut.

  • 10 Alte Marktstraße (Redenhof)

    Das gesamte Viertel zwischen Alte Marktstraße und Neue Marktstraße hieß im Mittelalter "Das neue Markt", wohl im Sinne der Entstehung einer Neustadt in Bezug auf die ältere Stiftssiedlung.
    Die Alte Marktstraße wird auf einem Stadtplan von 1761 "Das Alte Neue Markt" genannt. Man wollte hiermit vermutlich das höhere Alter dieses Teils des Neuen Marktes zum Ausdruck bringen. Erst nach 1800 taucht der verkürzte Name "Alte Marktstraße" auf.

    Redenhof

    Am Eingang zur Großehofstraße liegt der einzige in Hameln noch erhaltene Adelshof, der sogenannte Redenhof. Ernst von Reden kaufte im Jahr 1568 von dem Hamelner Bürger Thönnies Voget und seiner Frau Mette deren „binnen Hameln uffen großen Hove“ gelegenes Haus- und Hofgrundstück. Ernst von Reden lässt ein neues Wohnhaus errichten, dessen Stil spätgotisch ist, aber schon Elemente der Frührenaissance enthält (halbrunde Giebelbekrönungen mit Muschelmotiv). Der Redenhof befindet sich noch heute im Familienbesitz derer von Reden.

  • 11 Bungelosenstraße

    Die Bungelosenstraße, 1475 erstmals erwähnt, ist die "Trommellose-Straße" (Bunge = Trommel). Sie erinnert an den Auszug der Kinder in der Rattenfängersage. Über diese Gasse, die zum Ostertor führte, sollen die Kinder Hameln 1284 in Richtung Osten verlassen haben. Zum Zeichen der Trauer darf hier "kein Tanz geschehen noch Saitenspiel gerührt werden". Am Ende der Bungelosenstraße Ecke Osterstraße befindet sich das Rattenfängerhaus. Die Inschrift am Haus von 1602 lautet:

    ANNO 1284 AM DAGE JOHANNIS ET PAULI WAR DER 26 JUNII DORCH EINEN PIPER MIT ALLERLEI FARVE BEKLEDET GEWESEN CXXX KINDER VERLEDET BINNEN HAMELEN GEBON TO CALVARIE BI DEN KOPPEN VERLOREN
    (Im Jahre 1284 am Tage Johannis und Pauli war der 26. Juni durch einen Pfeifer mit allerlei Farbe bekleidet gewesen 130 Kinder verleitet in Hameln geboren zu Kalvarie bei den Koppen verloren)