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Geschichte der Landschaft erleben! Wanderwege zu historischen Kulturlandschaftsbestandteilen rund ums Gröninger Feld bei Hameln
Bildkommentar: Kartengrundlage: TK 25, Blatt 3822 Hameln, Nds. Landesverwaltungsamt - Landesvermessung (heute LGN) 1996Landwehren (L)
Rund um das Gröninger Feld finden sich immer wieder Landwehren, dies sind mittelalterliche Wall-Graben-Systeme. Die hier anzutreffenden Landwehren haben meist zwei Wälle und Gräben, westlich der Holtenser Warte - dort steht auch eine sehenswerte Infotafel - sind es sogar stellenweise drei Wälle! Die Wälle waren im Mittelalter mit einer undurchdringlichen Hecke aus dornen- und stachelbewehrten Sträuchern bestanden. Den Sträuchern wurden immer wieder die Zweige abgeknickt, um das Geflecht noch undurchdringlicher zu machen - daher auch der mit "Landwehr" gleichbedeutende Name "Knick".
Landwehren hatten die Aufgabe, das zur Stadt gehörende Umland vor Eindringlingen zu schützen. Diese "Eindringlinge" waren nicht nur feindliche Krieger, sondern auch das Vieh der benachbarten Orte: Weidegrund war knapp, da duldete man keine "Grenzüberschreitung". Gleichzeitig konnte die Stadt an den Durchlässen der Landwehr, den Warten, kontrollieren, wer auf ihr Territorium wollte - und Zoll kassieren. So wurde z. B. die ehemalige Försterei Heisenküche 1794 gerade zur Überwachung der Außengrenze gebaut. Landwehren waren auch Rechtsgrenzen: Hinter der Landwehr hatte der mächtige Stadtrat das Sagen.
Die Landwehren am Gröninger Feld wurden wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet, als kriegerische Auseinandersetzungen zunahmen und zusammen mit der Pest zu Unsicherheit und Bevölkerungsschwund führten. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1385: Damals beschuldigte Graf Hermann von Everstein - der die Reichsstraßen "verwaltete" . die Hamelner Bürger, sie hätten durch die alte Heerstraße Landwehren gegraben. Die Bürger hätten die Straßen wieder zu öffnen und herzurichten wie zuvor.
Görgesplatz (G)
als Hinweis auf frühere Waldnutzung: Der Görgesplatz heißt nach dem 1922 verstorbenen Studienrat Görges, der sich für das Wandern im Weserbergland eingesetzt hat.
Die Lichtung des Görgesplatzes kann uns eine Vorstellung geben, wie der Wald bis ins 18. Jahrhundert hinein aussah, als man mit groß angelegten Aufforstungen begann. Es gab wenig geschlossenen Wald wie heute, sondern es herrschten frei stehende, knorrige alte Bäume mit ausladenden Kronen vor, zumeist Eichen, aber auch Buchen - wir würden wohl eher von einem Park als von einem Wald sprechen, und tatsächlich war der damalige Landschaftseindruck Vorbild für die Landschaftsparks.
Unter diesen Bäumen wurde das Vieh auf die Waldweide getrieben. Es ernährte sich von den Gräsern, Kräutern, erreichbaren Blättern der Bäume und v. a. Eicheln und Bucheckern. Bei Schweinen war dies die Schweinemast, aber auch Rinder, Schafe und Ziegen wurden in den Wald getrieben. Dies nennt man Hude. Im Westen des Görgesplatzes steht noch eine alte Hudeeiche (s. Titelseite), erkennbar an ihrem gewundenen Wuchs und den starken, mittlerweile abgestorbenen Ästen auch im unteren Stammbereich. Unter einem Busch in der Nähe der Eiche, bei den Tischen und Bänken, entdecken wir einen Grenzstein, auf dem auf der Westseite "W H" und auf der Ostseite "O H" steht. Dies sind zwei der fünf mittelalterlichen Hamelner Hudebezirke: Die Wettorsche und die Ostertorsche Hude. Die Huden waren also nach Stadttoren benannt, durch die sie erreichbar waren. Im Wald wurde auch das Laubheu für die Winterfütterung der Tiere geschnitten. Die Waldweide endete im Schweineberg erst 1894!
Brüdersteine (B)
Bei den Brüdersteinen, zwei Scheibenkreuzsteinen, handelt es sich um mittelalterliche Rechtsdenkmale. Der Sage nach haben sich zwei Brüder eines Mädchens wegen aus Eifersucht getötet, sie sollen hier bestattet sein. Das Mädchen habe alljährlich Waldblumen an beide Denkmale gebracht.
Hohlwege am Schöt (H)
Hohlwege entstanden dadurch, dass die Räder der Wagen in den zeitweise feuch-ten Boden der unbefestigten Wege einsanken und so die Wege über die Jahrhunderte eintieften. Oft wurden mehrere Wege nebeneinander genutzt, um dem schlammigsten ausweichen zu können. So entstand am Schöt ein Hohlwegbündel, das sich über einen kleinen Pfad erkunden lässt.
Wüstung Gröningen (W)
Etwa im Zentrum des Gröninger Feldes lag einmal ein Dorf, Gröningen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Dorfes ist das Gröninger Feld, das ja von Wald umgeben ist. So etwas nennt man eine "Rodungsinsel". Gröningen bestand im Mittelalter wohl aus 2-5 Bauernhöfen. Die Siedlung existierte 1350, als die Pest nach Hameln kam, noch, wurde aber bald darauf verlassen. Das eingezeichnete markiert den Ort, der auf einer Karte von 1760 "Die Haus-Stätten" heißt. Wahrscheinlich standen also hier die Häuser von Gröningen, heute eine Senke auf einer Weide, gleich unter einem Strommast. Vielleicht standen die Häuser aber auch auf der anderen Bachseite.
Kopfweiden (K)
An dem Bach, der Krummen Beeke - auch Gröninger Beeke genannt - stehen mehrere Kopfweiden. Sie haben eine charakteristische Form: Ein relativ dicker Stamm geht plötzlich in eine Krone schmalerer Äste auf. Diese Form entsteht durch das regelmäßige Abschneiden der Äste oberhalb des Stammes, dem so genannten "Schneiteln". Früher verwendete man die Weidenruten sehr vielfältig. Am bekanntesten ist noch das Flechten von Weidenkörben, aber auch Möbel, Kinderwagen, Bienenkörbe, Fischreusen und vieles mehr kann man aus dem Material herstellen. Auch Gefache - die Zwischenräume der Wände bei Fachwerkbauten - machte man oft aus Weidenzweigen, ebenso Stiele von Arbeitsgeräten, Bohnenstangen, Heureiter (Gestelle zum Trocknen von Heu) und Fassreifen. Es gab Flechtzäune, und natürlich konnte man das Holz auch zum Verbrennen nutzen. Aus dem Laub wurde "Laubstreu", also Zufütterung für das Vieh im Stall. Heute benutzt man Weiden zur Herstellung von Faschinen, also zur Uferbefestigung und zum Küstenschutz (Sandfang). Des Weiteren gewinnt man aus der Rinde der Weiden Salicylsäure, die der Herstellung von Aspirin dient.
Parken (P)
Was sind eigentlich "historische Kulturlandschaftsbestandteile"?
Historische Kulturlandschaftsbestandteile sind Objekte auch in unserer Landschaft, denn fast ganz Mitteleuropa ist Kultur- und nicht Naturlandschaft, also vom Menschen geprägt. Historisch sind diese Objekte deshalb, weil ihre Nutzung bzw. die Nutzung, durch die sie entstanden sind, aufgehört hat - oder nur noch bei Pflegemaßnahmen nachgeahmt wird. Die Nutzung geschieht also nicht mehr wie früher ganz selbstverständlich, da zum Lebensunterhalt notwendig, sondern nur, weil sich Menschen - zumeist ehrenamtlich - für den Erhalt dieser Landschaftsbestandteile einsetzen.
Alle beschriebenen Objekte lassen sich von den Wegen aus gut betrachten. Deshalb: Verlassen Sie die Wege nicht! Verstöße gegen dieses Wegegebot beeinträchtigen Tiere und Pflanzen - und können teuer werden!Achtung! Nicht alle hier bzw. in der Karte vorgeschlagenen Wege verlaufen auf bereits ausgewiesenen Wanderwegen. Nur die ausgewiesenen Wanderwege unterliegen der Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers, d. h. Wege und Pfade, die nicht als Wanderwege beschildert sind, begeht man "auf eigene Gefahr"! Die obigen Informationen basieren auf einem Flyer. Dieser wurde 2005 erstellt von Jana Hesse und Fabian Wais im Rahmen eines Projektes am Institut für Landschaftspflege und Naturschutz der Universität Hannover.
Weitere Informationen, fortführende Literatur und ausführliche Quellenangaben finden Sie im Projektbericht, erhältlich über die Abteilung Forst. Projekt und Bericht tragen denselben Titel wie das Faltblatt.