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Die Festzüge der Jahre 1884 –1984


Das Fest von 1884

Fünfzig Jahre später erinnerte sich ein Hamelner Bürger an das Fest von 1884:

„Es gab ein großes Verwundern und Erstaunen, als sich im November 1883 einige Hamelner Bürger ... zusammenschlossen, um für ein Rattenfängerfest zu werben.“

Das Interesse muss anfangs wohl nicht besonders groß gewesen sein, denn er berichtete weiter:

„ ... der Tag der Entführung, der 26. Juni, sollte nun zum erstenmal im nächsten Sommer gefeiert werden. Selbst kluge Leute schüttelten den Kopf ob solchen Unsinns ... das würde gewiß nichts Rechtes werden. Rattenfängerzüge konnte man sich in Wirklichkeit gar nicht vorstellen. So etwas gab es doch nur auf der Bühne.“

Die „klugen Leute“ irrten sich – das Fest von 1884 wurde ein voller Erfolg!

Das Fest von 1934

Am 13. Mai 1934 berichtete die Hamelner Lokalzeitung DWZ, dass es der Leitung des Rattenfängerfestes gelungen sei, den Rundfunk für das Fest zu interessieren:

„So werden während der Festwoche Tonaufzeichnungen auf Wachsplatten aufgenommen, die dann der Reichssender Hamburg und wohl auch noch einige weitere Rundfunksender in ihr Programm übernehmen werden.“

In der Tat warf das bevorstehende 650jährige Jubiläum des sagenhaften Auszuges der Hamelner Kinder mit dem Rattenfänger schon länger seine Schatten voraus:

Am 14. Mai berichtete die Zeitung über eine nicht käuflich zu erwerbende Anstecknadel, die vom Verkehrsverein nur an diejenigen Privatpersonen ausgegeben wurde, die sich als Förderer des Rattenfängerfestes erwiesen haben und am 31. Mai erfuhr man von einer Riesenratte,  „... die außen am Giebel der Feuerwache hockt und versucht, in das Giebelfenster einzudringen.“ Die Mieter des Hauses Ostertorwall 37 hatten das 4 Meter lange Untier mit den nachts tückisch glühenden Augen hergestellt.

Der damaligen politischen Lage entsprechend machte Oberbürgermeister Schmidt in seiner Eröffnungsrede deutlich, dass es „Wunsch und Wille war“ das Fest unter die Führung der NSDAP zu stellen, denn „ ... es ist keine Sonderangelegen-heit, sondern wir möchten das Fest als ein deutsches gestalten, weil es an deutsche Sage anknüpft“. So war dann auch die Stadt überreich mit Hakenkreuzfahnen geschmückt.

Den eigentlichen Höhepunkt des Festes bildeten am 26. und 27. Juni die feierliche Übergabe der Rattenfänger-Kunstuhr, die Aufführung des Festspieles „Der Rattenfänger“ nach dem Heimatdichter Bernhard Flemes und der historische Umzug.

Leider bekam das Fest einen unangenehmen Nachgeschmack: Einer der Verantwortlichen hatte den zur Finanzierung bewilligten Kreditrahmen ohne Genehmigung weit überzogen und sich damit eine Klage eingehandelt.

Das Fest von 1959

Die Vorhersage versprach für den 26. bis 28. Juni 1959 heiteres bis wolkiges Wetter, vereinzelte Gewitter und Regenschauer, ansonsten warm – das Fest konnte beginnen!

Bereits in einer Sitzung am 08. Dezember 1958 war man sich einig, dass im Jahre 1959 die 675-Jahr-Feier stattfinden wird. „Verwaltung und Verwaltungsausschuß seien sich darüber klar gewesen, daß die Stadt Hameln diesen Jahrestag nicht sang- und klanglos vorübergehen lassen kann, andererseits soll die Feier aber auch in einem begrenzten Rahmen gehalten werden“ heißt es im Protokoll.

Um den „begrenzten Rahmen“ einzuhalten und einen Teil der Unkosten wieder hereinzubekommen, wurde eine käuflich zu erwerbende Plakette herausgegeben die zum Zugang der Festmeile berechtigte. Die Lokalpresse berichtete, dass seit Montag, dem 22. Juni, an einem von den Hamelner Zimmereibetrieben am Ende der Osterstraße errichteten Kulissentor von „Landsknechten“, ein „Zoll“ in Höhe von 50 Pfennigen gefordert wurde. Der Gast bekam dafür eine eigens entworfene Plakette, die ihn zum weiteren Zugang berechtigte. So sollte ein jeder Bürger seinen Anteil zum Fest beisteuern. Am 20. Oktober 1959 wurde in der Forstausschusssitzung bekannt gegeben, dass das Tor etwa DM 1.000,- gekostet habe und nunmehr der Abbruch „auf die zweckmäßigste und billigste Weise geschehe“.

Der Ausklang des Festes fand am Sonntagabend auf der Weserbrücke statt. Hier hatten sich Tausende von Zuschauern in Erwartung des den Fluss herab kommenden Lampion-Korsos und des anschließenden Feuerwerkes eingefunden. Als es in Strömen zu regnen anfing, lichteten sich die Reihen der Wartenden keineswegs. Man fürchtete nur, dass das erwartete Feuerwerk nicht würde stattfinden können. Als sich der Bootskorso langsam auflöste, stellte sich die Befürchtung jedoch  unbegründet heraus; ohne Beeinträchtigungen stiegen bunte Raketen von der Schleuse aus in den Himmel. Danach verliefen sich die Zuschauer – viele feierten anschließend in den Gaststätten weiter, wie die Lokalpresse berichtete. Das Fest war offiziell zu Ende.

Das Fest von 1984

„Wenn am Sonntag der Rattenfänger den großen Festumzug anführt, so wird das mit Sicherheit ... der Auftakt eines Ereignisses, das den Dabeigewesenen nicht so schnell aus der Erinnerung schwinden wird“.

So berichtete die Lokalpresse am 21. Juni 1984 und nimmt dabei Bezug auf das mittlerweile 700 Jahre zurückliegende Ereignis, das die Hamelner Bürger bis heute nicht vergessen haben – den sagenhaften „Auszug der Hämelschen Kinder“.

Die Festwoche war gefüllt mit Angeboten aller Art rund um das Thema „Rattenfänger“; den abschließenden Höhepunkt bildete der große Umzug durch die Stadt.

Quellen
Festzüge: DWZ Sonderfestausgabe zur 650-Jahrfeier der Ratten-fängersage; DWZ 13.5.1934, 14.5.1934, 31.5.1934, 26.6.1959 und folgende, Akten des Kulturbüros der Stadt Hameln 41-52-20 und 41-52-21, DWZ 21.6.1984, 25.6.1984, 27.6.1984

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