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Donnerstag, 21.07.2011 17:25 Uhr
Keine Chance für Stubenhocker
Initiative „Hameln in Bewegung“ gestartet
Rennen, laufen, springen – Kinder brauchen Bewegung. Und nicht nur Kinder. Doch die Realität sieht heute völlig anders aus, der Fernseher und der Computer stehen oft im Mittelpunkt. Bewegung? Fehlanzeige. Stadträtin Gaby Willamowius will jetzt den Stubenhockern den Kampf ansagen. Sie hat zusammen mit Kindertagesstätten, Schulen und Sportvereinen die Initiative „Hameln in Bewegung“ ins Leben gerufen. Früher war alles anders. Da haben sich Kinder mit Gleichaltrigen auf dem Nachhauseweg von der Schule spontan für den Nachmittag verabredet. Da sind Kinder im Anschluss an die Hausaufgaben sofort nach draußen gestürmt, um mit anderen auf der Straße zu spielen. Sie haben so spannende Dinge getan wie im nahe gelegenen Wald ein Baumhaus gebaut oder „Räuber und Gendarm“ gespielt.
Sich viel bewegen, draußen herumtollen, die eigenen körperlichen Fähigkeiten austesten - das war noch vor 20 oder 30 Jahren für Kinder eine Selbstverständlichkeit. Heute hat sich die Lebenssituation von Heranwachsenden im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen entscheidend gewandelt:
- Kinder finden immer weniger Spiel- und Bewegungsräume vor, in denen sie ihre Bewegungsbedürfnisse spontan und gefahrlos ausleben dürfen;
- Kinder werden im Zuge organisierter „Events“ durch angeleitete Aktivitäten Erwachsener zunehmend verplant;
- Kinder beschäftigen sich immer mehr passiv sitzend mit den multimedialen Angeboten einer Spiel- und Informationstechnologie;
- Kinder haben immer weniger Spielpartner, sie spielen häufig allein;
- Kinder werden durch verunsicherte und in ihrem Erziehungsverhalten zur Überbehütung neigende Erwachsene in ihrem spontanen Spiel- und Bewegungstrieb immer mehr eingeschränkt.
Die Kinder werden so zu Stubenhockern – und das in einem Alter, in dem entscheidende wachstums- und reifungsbedingte Veränderungen des Muskel-, Skelett- und Nervensystems ihre Entwicklung prägen. Die Folgen für die weitere Entwicklung des Kindes sind gravierend.
„Es ist daher umso wichtiger gegenzusteuern“, sagt Gaby Willamowius. Ihr Ziel ist der Aufbau eines stadtweiten Netzwerkes, das auch einen regelmäßigen runden Tisch beinhaltet. „Bewegung ist ein Thema, das in den vielfältigsten Bereich umsetzbar ist – in Sportvereinen, Kitas, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, aber auch in der Verkehrsplanung und der Stadtentwicklung“, so die Stadträtin.
Die Förderung von Bewegung habe soziale, gesundheitliche und bildungspolitische Dimensionen und wirke zudem integrativ. Zur Unterstützung des Netzwerkes stellt die Eugen-Reintjes-Stiftung nach den Worten von Gaby Willamowius für die kommenden drei Jahre Fördermittel bereit. „Es geht darum, das Thema Bewegung in die Köpfe zu bekommen“, verdeutlicht die Dezernentin die Zielrichtung.
Ansprechpartner für Vereine und Initiativen, die bei „Hameln in Bewegung“ mitmachen möchten, ist Michael Zehbe, Telefon 05151/202-1411, Email: zehbe@hameln.de.