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Der lebensbezogene Ansatz

Was ist das?

Eine Definition nach Prof. Dr. Huppertz


Im Mittelpunkt des Lebensbezogenen Ansatz steht das Kind. Alles wird aus dem Blickwinkel des Kindes betrachtet und entschieden. Eine der grundlegenden Voraussetzungen ist dabei der partnerschaftliche Erziehungsstil. Hierbei hat das Leben als ein Zusammenleben von Kind und Erzieherinnen besondere Bedeutung. Das Kind wird als eine eigenständige, sich entwickelnde Persönlichkeit akzeptiert. Der Lebensbezogene Ansatz geht davon aus, dass für die Bildung und Erziehung bei Kindern das Wissen, das praktische Tun sowie die emotionale Entwicklung eine gleichwertige Rolle spielen.

Das Leben und Lernen beim lebensbezogenen Ansatz orientiert sich daran, was das Kind an aktuellen Bedürfnissen und Interessen hat, aber auch, was für sein zukünftiges Leben nötig ist. Das heißt nicht, dass die Kinder einfach in den Alltag hinein leben.

Die Erzieherinnen sorgen für eine vorbereitete Umgebung, in die sie die Kinder mit einbeziehen,  die Kinder gestalten ihre Umgebung selbst mit. Die Erzieherinnen beziehen die didaktischen Spiele soweit in das Konzept mit ein, wie sie die lebensbezogenen Arbeiten ergänzen.

In erster Linie setzt der Lebensbezogene Ansatz auf erlebende Bildung in allen Lebensbereichen der Kinder.


Was verstehen wir unter Lebensbezogen




Warum arbeiten wir nach dem lebensbezogenen Ansatz

Weil:


Unsere Bildungsziele

Unsere Kindertagesstätte verfolgt Bildungsziele, welche für die Entwicklung des Kindes eine große Bedeutung haben, damit sie sich in der Welt zurechtfinden.
Die Bildungsziele unterteilen wir in 9 verschiedene Bereiche:

Emotionale Entwicklung und soziales Lernen

Die emotionale Entwicklung und das soziale Lernen eines Kindes finden auf zwei Ebenen statt. Die Ebenen ergänzen sich gegenseitig.
Eine Ebene bezieht sich auf die Persönlichkeitsentwicklung, dies bedeutet, dass Emotionen (wie Liebe, Wut, Angst, Traurigkeit und Freude) zunehmend differenzierter werden.

Beispiel:
Wir als Erzieher unterstützen dieses Bildungsziel, indem wir uns dem Kind zuwenden und ihm da durch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. So erfährt das Kind verlässliche Bindungen („Ich bin willkommen, ich bin wichtig, ich wirke und kann etwas bewirken.“)
Die andere Ebene,  das soziale Lernen, bedeutet, dass die Kinder durch den Umgang miteinander lernen Konflikte auszutragen, Rücksicht auf andere zu nehmen und Freundschaften schließen.

Beispiel:
Dieses Bildungsziel erreichen unsere Kinder, indem sie sich in der Puppenecke durch Rollenspiele untereinander erproben.

Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und der Freude am Lernen

Die Kinder entwickeln besonders in den ersten Lebensjahren ihre kognitiven Fähigkeiten beim Spiel in der Auseinandersetzung mit anderen Kindern und den Erziehern und mit den Gegenständen des täglichen Lebens.
Die Erzieher unserer Einrichtung gestalten spannende und attraktive Lernangebote, damit für die Kinder der Lernprozess eine Freude ist und als positives Erlebnis empfunden wird.
Beispiel:
Im Kindergartenalltag greifen wir die aktuellen Themen der Kinder auf, vertiefen diese durch entsprechende Angebote, wie z.B. Farbexperimente.

Körper – Bewegung – Gesundheit

Bewegung ist ein wichtiger Teil unserer alltäglichen pädagogischen Arbeit. Die Kinder brauchen vielfältige Bewegungserfahrungen für ihre körperliche und geistige Entwicklung, um sich zur eigenen Personen entwickeln zu können.
Die Unterstützung der Bewegung bedeutet, dass wir den Kindern die Möglichkeit bieten ihren Bewegungsdrang auszuleben.
Beispiel:
In unserem Turnraum können die Kinder durch angeleitete und offene Angebote ihre Bewegungsfreude ausleben.
Eine gesunde Ernährung wirkt sich positiv auf die körperliche Entwicklung und auf das Wohlbefinden des Kindes aus, deshalb achten wir, in Zusammenarbeit mit den Eltern, auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung.
Beispiel:
So findet in jeder Gruppe zweimal im Monat ein gemeinsames Frühstück statt. Hierbei haben die Kinder die Möglichkeit verschiedene gesunde Produkte, wie Müsli, Vollkornbrot, Obst und Gemüse kennen zu lernen.

Sprache und Sprechen

Die gesprochene Sprache ist das wichtigste zwischenmenschliche Verständigdungsmittel, sie wird dabei durch Mimik, Gestik, Geräusche und Bilder unterstützt. Der Spracherwerb ist eine hohe Lernleistung für Kinder.
Deshalb ist es wichtig, dass die Freude am Sprechen geweckt und erhalten bleibt. Wir als Erzieher unterstützen diesen Lernprozess, indem wir aktiv mit den Kindern kommunizieren und Sprachfreude vermitteln.
Dabei achten wir auch auf eine entsprechende Begleitung von Mimik und Gestik.
Beispiel:
In den täglich stattfindenden Gemeinschaftskreisen bieten die Erzieher eine Auswahl an verschiedenen Reimen, Spielen und Liedern an, die Lerninhalte vermitteln und zugleich Spaß machen.

Lebenspraktische Kompetenzen

Kinder haben ein großes Interesse an den Personen, die sie umgeben. Dabei orientieren sie sich oft an älteren Kindern oder an den Erwachsenen, um an diesen Vorbildern zu lernen. Uns ist es wichtig, den Kindern, bei der Erkundung ihrer Lebenswelt, Zeit zu geben („Hilf mir es selbst zu tun“). Die selbstständige, eigene Versorgung wie das Ankleiden, Zähneputzen und das selber auffüllen und selber essen ist ein wichtiger Erfahrungsbereich.
Dieser wird von uns durch Lob und Bestätigung positiv unterstützt, wodurch das Selbstbewusstsein der Kinder bestärkt wird.
Beispiel:
Unsere Kinder werden durch das selbstständige Tischdecken aktiv in den lebenspraktischen Bereich miteinbezogen.
Hierbei lernen die „Kleinen“ von den „Großen“.

Mathematisches Grundverständnis

Kinder sammeln schon in den ersten Lebensjahren Erfahrungen mit
Raum und Zeit, später auch mit Formen und Größen. Durch ihre Beobachtungen und Erfahrungen im Alltag werden die Kinder zu weiteren Experimenten mit Mengen und Größen angeregt. Deshalb greifen wir die Aktivitäten der Kinder auf, in denen es um das Hinzufügen oder Wegnehmen, Aufteilen oder Verteilen geht. Dabei ist es uns wichtig, dass die Kinder bestimmte Begriffe wie zum Beispiel weniger, mehr, groß, klein, oben und unten kennen lernen und diese entsprechend zuordnen können.
Beispiel:
Schon im lebenspraktischen Bereich, wie das Backen eines Kuchens, werden die Kinder in spielerischer Form zum Experimentieren mit Mengen und Größen angeregt.

Ästhetische Bildung

Ästhetik bezieht sich auf die Wahrnehmung der Sinne (Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen) und den dazugehörigen Empfindungen. Dies sind ästhetische Erfahrungen, die das Kind individuell macht und dabei die Artikulation der Kinder unterstützen. In der ästhetischen Bildung gibt es verschiedene Kommunikationsformen,
wie Musik, Tanz und bildnerisches Gestalten. Diese Formen ermöglichen den Kindern, ihre erlebten Gefühle
ausdrücken zu können. Dabei steht das aktive Handeln des Kindes im Mittelpunkt, wodurch die Feinmotorik und Körperkoordination, sowie Konzentration und Ausdauer angeregt und unterstützt werden.
Durch kreative Ausdrucksformen, wie Malen, Zeichnen und das Gestalten von Kollagen, wird das Kind zum selbstständigen Ausprobieren ermutigt.
Beispiel:
In unseren Kindertagesstättenalltag spielen Musik und Tanz eine wichtige Rolle. Die mitgebrachte Musik der Kinder wird durch entsprechende Bewegungen und der Kostümwahl begleitet, so dass z. B. ein orientalisches Tanzgefühl erlebt wird.

Natur und Lebenswelt

Die Begegnung mit der Natur erweitert und bereichert den Erfahrungsschatz der Kinder. Durch die Auseinandersetzung mit
der Natur bieten wir den Kindern die Chance zum Erwerb von lebenspraktischen Kompetenzen.
Durch das selbstständige Experimentieren ermöglichen wir den Kindern sich mit den  Wirkungszusammenhängen zu beschäftigen. Naturwissenschaftliches Verständnis wird auf diese Weise erworben. Uns ist es wichtig, den Forscherdrang der Kinder zu unterstützen, um sie zum selbstständigen Denken herauszufordern. Die Kinder sollen die Natur als Lebensraum für Pflanzen und Tiere kennen lernen und erfahren. Durch das Betrachten und Beobachten der Natur werden die Kinder zum Forschen und Fragen angeregt. Dabei legen wir besonderen Wert auf den verantwortungsvollen Umgang
mit der Natur.
Beispiel:
In unserer Einrichtung gibt es regelmäßige Waldtage. Hierbei können die Kinder die Natur mit allen Sinnen erleben.

Ethische Fragen, Grunderfahrungen menschlicher Existenz

Kinder sind von sich aus bestrebt ihrer Welt einen Sinn zu geben. Sie beschäftigen sich mit grundsätzlichen Fragen und wollen Antworten finden. Sie sind auf ständiger Orientierungssuche. Das Kind benötigt daher entsprechende Angebote, die sie zum Nachdenken anregen, um sich ihre Fragen selber beantworten zu können. Wir legen deshalb großen Wert auf die Fragen der Kinder, damit sie sich von uns angenommen und wertgeschätzt fühlen und wir ihnen bei der Suche
nach dem Sinn des Lebens eine Orientierungshilfe bieten. Kinder machen schon früh Erfahrungen mit Vertrauen, Angst,Geborgenheit und Verlassenheit. Diese Erfahrungen sind von elementarer Bedeutung, da sie existentielle Erfahrungen sind. Die Kinder sollen in unserer Einrichtung positive Grunderfahrungen machen, indem sie Geborgenheit, Vertrauen und Angenommensein erfahren. Dies ist die wertvolle Basis, damit die Kinder mit den Spannungen des Alltags
und den daraus folgenden Brüchen und Krisen besser umgehen können. Dabei sind wir für die Kinder ein Maßstab, indem wir ihnen unsere Wertvorstellungen als Orientierung anbieten. So lernen die Kinder was gesellschaftlich anerkannte Werte sind, sie erfahren was gut und schlecht ist. Die vorgelebte demokratische Haltung zeigt den Kindern den Weg des
sozialen Handelns und unterstützt sie in ihrer Entwicklung zum gesellschaftlich anerkannten Menschen.
Das Bild unserer Einrichtung ist geprägt durch die Zusammensetzung verschiedener Nationalitäten und Herkünfte, deshalb legen wir besonderen Wert auf die Offenheit und Achtung der anderen Kulturen.
Wir leben und lernen gemeinsam, wodurch wir uns ergänzen und uns als Gesamtheit erleben.
Beispiel:
In unserem Elterncafé treffen sich Eltern verschiedensten Nationalitäten.
Bei einem multikulturellen Fest wurden Gebräuche anderer Nationalitäten dargestellt, indem Tänze aufgeführt wurden.
Außerdem standen landestypische Spezialitäten zur Auswahl.


Das Bild vom Kind und die Rolle des Erwachsenen

Unser Bild vom Kind

Das Menschenbild bzw. die Art und Weise wie wir das Kind sehen, ist die Grundlage unserer erzieherischen Arbeit. Dieses Bild bestimmt,  wie wir mit dem Kind und für das Kind arbeiten. Zuerst ist es uns wichtig zu betonen, dass jedes Kind uns willkommen ist und die gleiche Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält, unabhängig seiner persönlichen Herkunft, Kultur und Religion.
Auf das einzelne Kind bezogen meinen wir:
Kind sein bedeutet für uns, Kind zu sein in der eigenen Person mit Körper, Geist und Seele erlebt und durchlebt.
Wir sehen jedes Kind als individuelle Persönlichkeit. Jeder einzelne hat seine Familie, kommt aus einem bestimmten
Umfeld, hat seine eigenen Begabungen und Fähigkeiten, seinen eigenen Entwicklungsstand, ganz eigene Bedürfnisse und Interessen, seine Schwächen und seine eigene Gefühlswelt. Diese individuelle Sichtweise ist uns wichtig, um eine ernsthafte Beziehung zum Kind aufzubauen und das Kind von dort abzuholen wo es steht. 1*

Kinder sind von Geburt an motiviert, ihre Umwelt zu entdecken und zu erforschen und dadurch ihren Handlungsspielraum zu erweitern. Doch diese Lernprozesse erbringen Kinder nicht irgendwie, sondern ganzheitlich. D.h., sie lernen nicht einseitig, sie lernen mit allen Sinnen in der spielerischen Auseinandersetzung mit der Welt.
Dabei orientieren sich die Kinder an den Erwachsenen, die sie anleiten und für sie Vorbilder sind.
Der Verarbeitung dieser Lernerfahrungen auf geistiger und emotionaler Ebene ist ausschließlich eine Aufgabe des Kindes.
Dadurch erlangt es eine persönliche Sicht von der Welt und sich selbst. 2*
Wir betrachten das Kind als aktive und kompetente Persönlichkeit, die die Unterstützung des Erwachsenen braucht um seinen Interessen und Lernprozessen nachzugehen.

Wir achten darauf, den „Forschungs- und Entdeckerdrang“ der Kinder bzw. ihr Bedürfnis nach Bildung 3*, nicht dafür zu benutzen, sie mit Bildungsmöglichkeiten zu überfordern. Kinder lernen anders und etwas Anderes als z.B. Jugendliche.
Das Erlernen ihrer Muttersprache oder das Laufen lernen ist etwas, dass sie nicht wie in der Schule sitzend und hörend erlernen. Für diese Lernprozesse müssen wir den Kindern auch ihren eigenen Rhythmus zugestehen und sie vor verbissenem Leistungsdruck schützen.

Die Rolle der Erwachsenen

Zuerst möchten wir in unserer Einrichtung eine Atmosphäre der Sicherheit ermöglichen, in der sich Kinder geborgen fühlen und sich dem Erwachsenen anvertrauen können.Aus dieser Sicherheit können sie auf die unterschiedlichen oder neuen Herausforderungen des Kindergartenalltags zugehen.

1*  Vergl. Huppertz N.; 2003; S. 20

2* Vergl. Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder; 2005; S.11. 3* Vergl.


Ganzheitliches Lernen

Was heißt ganzheitliches Lernen?
Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass Erfahren, Empfinden und Denken nicht voneinander losgelöst, sondern in einem Prozess stattfindet. Das heißt  Denken, Gefühle, Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten vernetzt miteinander.
Ganzheitliches Lernen meint:
Lernen unter Einbeziehung des Körpers (Bewegung), des Geistes (logisches Denken) und der Seele (Emotionen).
Pestalozzi hat gesagt: „Lernen mit Hand, Herz und Kopf“

Warum ist uns das ganzheitliche Lernen so wichtig?


Wir möchten dies an dem Beispiel Projekt „Wald“ deutlich machen.

Wir entdecken den Wald


Es ist ein Erfahrungslernen in realen Sinnzusammenhängen vor Ort

gemeint – sprich: alles Lernen geschieht über des Handeln;
auch „learning by doing“, nicht „learning by speaking or thinking“.

Es reicht nicht zu erklären, daß die Eier nicht aus dem Supermarkt kommen, die Milch nicht aus der Tüte, die Kühe nicht lila aussehen, statt dessen vor Ort auf einem Bauernhof erleben und erfahren lassen, wie was funktioniert.
Unsere Kinder brauchen mehr denn je die Herausforderungen an eigenes Denken, Fühlen, Erleben und Handeln. Denn die künstlichen Bilder aus den Medien verdrängen zunehmend die konkrete, „echte“ Bewegung von Kind und Welt. Unsere Kinder brauchen vielfältige, persönliche Erfahrungen, denn Greifen, das allem Begreifen vorausgeht, kann weder durch die Medien noch durch den Computer ersetzt werden.

Zitat von Dr. A. Krenz:
„Nicht das Lernen steht im Vordergrund, sondern das Erfahren von Sinnzusammenhängen, bei dem ein Lernen geschieht.“

Sage es mir - und ich vergesse es
Zeige es mir - und ich erinnere mich
Lasse es mich selbst tun - und ich behalte es
Konfuzius (Chinesischer Philosoph *551 v. Chr.)


Die Schlüsselaussagen zum ganzheitlichen Lernen sind


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