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Freitag, 18.07.2008 09:53 Uhr
Museum nimmt die letzte große Hürde
Zwei Millionen Euro fließen nach Hameln
Für die Modernisierung des Museums ist die letzte große Hürde genommen: EU- und Landesmittel in Höhe von zwei Millionen Euro fließen nach Hameln. „Eine ganz tolle Nachricht“, freut sich Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die persönlich in Hannover für das Museum gekämpft hatte. Dass das Land und die EU nun Fördermittel investieren, bedeute für das Projekt den endgültigen Durchbruch.
„Die Finanzierung steht“, betont Susanne Lippmann. Zu den zwei Millionen aus Töpfen der EU und des Landes kommt ein Betrag von einer Million, den die Stadt bereitstellt. 500.000 Euro bringt der Museumsverein auf, 200.000 Euro haben die Sparkassenstiftung und die Stadtsparkasse Hameln bereits zur Verfügung gestellt, 40.000 Euro hat die VGH beigesteuert.
Die Stadt erhofft sich noch Förderzusagen weiterer Stiftungen; eine Aussage der Klosterkammer Hannover und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird es allerdings erst im nächsten Jahr geben. Dennoch: „Das Grundgerüst wackelt nicht“, ist die Oberbürgermeisterin überzeugt.
Im Oktober können
Handwerker anrückenBereits im Oktober dieses Jahres könnten die Handwerker anrücken. Der Zeitplan ist eng gesteckt – denn zum Rattenfänger-Jubiläum im Juni 2009 soll sich das Museum nach dem Willen von Susanne Lippmann nicht als Großbaustelle präsentieren. Denkbar sei eine Teil-Eröffnung im Erdgeschoss und im ersten Stock des Leisthauses. „Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, doch wir hoffen, dass wir es schaffen“, sagt die Oberbürgermeisterin.
Bei der Modernisierung nach den Plänen des Hamelner Architekturbüros Bahr, Jäger und Messmann wird das Augenmerk vor allem auf eine Barrierefreiheit des Museums gelegt. Bislang besteht die Einrichtung aus 15 verschiedenen Ebenen, die nur über Treppen zu erreichen sind – unüberwindliche Hindernisse für Rollstuhlfahrer. Künftig werden ein Fahrstuhl und Treppenaufzüge alle Flächen erschließen, eine zweigeschossige gläserne Brücke wird Leisthaus und Stiftsherrenhaus miteinander verbinden.
Besucher sollen die historischen Museumsgebäude selbst als Teil der Ausstellung begreifen. „Sie sollen nicht nur Hülle sein, sondern als Haus mit eigener Geschichte erlebbar werden“, erläutert Museumsleiterin Dr. Gesa Snell die Pläne. So ist vorgesehen, den mittelalterlichen Kern des Leisthauses freizulegen. Im Eingangsbereich soll eine nachträglich eingebaute Decke herausgenommen werden, damit der mittelalterliche Wohnturm sichtbar wird. Durch diesen Kunstgriff wird der Eingangsbereich gleichzeitig heller und großzügiger.
Ausstellung wird
umgekrempeltDr. Gesa Snell liegt besonders die Ausstellung am Herzen. „Hier werden wir alles komplett umkrempeln.“ Die gesamte Stadtgeschichte soll chronologisch dargestellt werden. Geplant ist, auf eigenen Themeninseln hamelnspezifische Inhalte wie die Automobilproduktion, die Weserschifffahrt und die Mühlengeschichte zu präsentieren. Touristen sollen, so die Museumsleiterin, erfahren, „in welcher Stadt sie eigentlich sind“. Und die Hamelner sollen spüren, „dass sie in einer Stadt mit eigener Identität, mit spannender Geschichte leben“.
Wichtig ist es Dr. Gesa Snell, nicht nur Oberflächliches zu liefern, sondern Hintergründe zu vermitteln. „Wie kam es dazu …?“ Dieser Frage soll zum Beispiel auch beim Thema „Hameln im Dritten Reich“ nachgegangen werden.
Das Museum will künftig auch dem Rattenfänger ganz neue Seiten abgewinnen. Besucher „können Teil der Geschichte werden“, skizziert Dr. Gesa Snell den Ansatz. Gerade für Touristen sei die Darstellung der Rattenfängersage unverzichtbar und „extrem wichtig“, daher werde hier ein Schwerpunkt gesetzt.
Insbesondere diesem innovativen inhaltlichen Konzept sei es zu verdanken, dass die Stadt in Hannover Fördergelder lockermachen konnte, lobt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann das Engagement der Museumsleiterin.