Inhalt:
Preisbuch des Rattenfänger-Literaturpreises 2006
Broschüre (20 Seiten) zum Rattenfänger-Literaturpreis 2006 (pdf-Datei,
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Die Jury des Rattenfänger-Literaturpreises 2006 kürte am 13. Mai 2006 aus
232 Bucheinsendungen einstimmig das Buch "Der Tigerprinz" von Chen Jianghong zum diesjährigen Preisbuch.
Der mit 5.000 € dotierte Preis der Stadt Hameln wurde am 24. November 2006 im Rahmen eines offiziellen Festaktes in Hameln an Chen Jianghong überreicht.
Bildkommentar: Preisverleihung an Chen Jianghong (2. v. r.) Foto: ©dewezet•
Laudatio von Prof. Dr. Gundel Mattenklott auf das Bilderbuch "Der Tigerprinz" von Chen Jianghong (pdf-Datei,
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Chen Jianghong
DER TIGERPRINZ
Aus dem Französischen von Erika und Karl A. Klewer
Frankfurt: Moritz Verlag, 2005
Begründung der Jury:
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französischsprachige Begründung - Traduit en langue française (pdf-Datei,
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Der Bilderbuchkünstler Chen Jianghong erzählt von einer Tigerin, deren Junge Jägern zum Opfer gefallen sind und die seitdem in „Hass und Verzweiflung“ Dörfer verwüstet und Menschen und ihre Tiere tötet. Der König will Soldaten gegen das Raubtier schicken, aber eine alte weise Frau rät ihm, stattdessen der Tigerin seinen kleinen Sohn anzuvertrauen. Ihm werde nichts geschehen. Schweren Herzens willigt das königliche Elternpaar ein. Der König begleitet den kleinen Wen bis zur Grenze des Tigerreichs. Furchtlos verabschiedet sich das Kind vom Vater und wandert in den Dschungel. Als Wen ermüdet eingeschlafen ist, findet ihn die Tigerin und nimmt ihn an Kindesstatt an. Von diesem Tag an lässt sie die Menschen in Ruhe. Während Wen bei der Tigerin das Leben in der Wildnis meistern lernt, trauern seine Eltern um ihn, bis sie endlich beschließen, das Kind mit Waffengewalt zurückzuholen. Schon ist die Tigerin von Soldaten und Feuer umzingelt, als der Kleine sich schützend vor sie stellt und Friede zwischen ihr und seiner geliebten Menschenmutter stiftet. Er kehrt zu seinen Eltern zurück, ohne die Tierpflegemutter zu vergessen: Auch er wird seinen Sohn für eine bestimmte Zeit zu ihr in die Wildnis schicken, damit er von ihr lerne, was Menscheneltern ihm nicht vermitteln können. Und so wird es von nun an jedes Königspaar halten.

Geschichten von wilden Tieren, die ausgesetzte oder geraubte Kinder fürsorglich bei sich aufnehmen, werden in den Mythen vieler Kulturen erzählt. Das Leben in der Wildnis gibt den Heldenkindern Anteil an der tierischen Stärke und Geschicklichkeit, wie sie kein Mensch sonst erlangen kann. Diese Tradition greift der Künstler auf, wendet sie aber so, dass an die Stelle des Heldenlobs eine unaufdringliche Feier der Fürsorge und Zuneigung tritt. Tiere wie Menschen lieben ihre Kinder und diese Liebe macht sie verletzlich. Um ihre Kinder zu schützen, sind sie bereit, anderen Geschöpfen das Leben zu nehmen. In Chens Geschichte sind es zwei schwache Menschen, die die unheilvolle Kette von Gewalt und Rache zerreißen – die alte Frau mit ihrem weisen Rat, der kleine Wen mit seiner vertrauensvollen Zärtlichkeit. Der Künstler erzählt eine unserer Gegenwart angemessene Version des Heldenmythos und entwirft eine neue, eigene Variation über das Motiv von der Macht des ohnmächtigen Kindes.
Bildkommentar: Chen JianghongChen Jianghong ließ sich bei der Bilderbuch-Inszenierung seiner Geschichte von einem alten chinesischen Bronzegefäß anregen. Zu sehen ist dort der Kopf des Kindes mitten im groß aufgerissenen Maul des Tieres - doch das Kind wird nicht zerrissen, sondern schützend umfangen. Diese alte Darstellung hat der Künstler in seine zeitgenössische Bildersprache übersetzt. Er kontrastiert das malerisch angelegte, mit breiten Pinselstrichen, Flecken und zerfließenden Farben großflächig gestaltete Dschungelreich der Tigerin mit differenzierten, kleinfigurigen, vielfach auch ornamentierten Bildtafeln, die den Königshof darstellen. In seinen Bildern kombiniert er Elemente gegenwärtiger Kunst mit denen traditioneller chinesischer Malerei und Grafik. In Momenten, in denen die Handlung sich dramatisch zuspitzt, beschleunigt sich die Folge der Bildtafeln zu dynamischen, Comic-ähnlichen Bilderreihen. Dieser Verschmelzung unterschiedlicher Bildsprachen korrespondieren Handlung und Symbolik, die mit dem Zitat alter Tierkinder-Mythen allen Kulturen vertraut sind.

Obgleich die dominierende Gestalt, die mächtige Tigerin, in den häufig dunkelfarbigen Bildern furchteinflößend erscheint, wird doch das Beängstigende durch den liebevollen Umgang mit dem Kleinen und durch seine Zuneigung ausbalanciert. Der zärtlich-fürsorgliche Gesamtklang der Erzählung mildert Schrecken und Gefahr. Die großen Themen der Trennung, Trauer, aber auch des glücklichen Wiederfindens und der Versöhnung sprechen Menschen jedes Alters an. Das jüngere Kind findet seine leidenschaftliche Liebe zur Mutter ebenso bestätigt, wie es sich in seinem Entwicklungsthema, dem Selbstständigwerden, bestärkt sieht. Kinder im Grundschulalter werden – neben diesen Lebensmotiven, die ihre Bedeutung bewahren – vom abenteuerlichen Kolorit und der Bewährung in der Wildnis angesprochen. Älteren vermag die Erzählung auch Anlass zur ethischen Reflexion bieten.
Das prämierte Bilderbuch ist das dritte in Deutschland erschienene Buch des chinesischen Künstlers (nach „Zhong Kui. Ein Besuch in der Peking-Oper“, 2001; und „Han Gan und das Wunderpferd“, 2004, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2005). Es stellt einen Höhepunkt der in Deutschland bekannten Bilderbuchkunst Chen Jianghongs dar. Für die Jury: Prof. Dr. Gundel Mattenklott (Juryvorsitzende)
Bildkommentar: Chen Jianghong Chen Jianghong, geboren 1963 in der chinesischen Hafenstadt Tianjin, studierte Kunst in Tianjin und Beijing. Seit 1987 lebt er als freischaffender Künstler in Paris, wo er inzwischen auch Bücher für Kinder veröffentlicht. Seine Werke werden international ausgestellt.
Der Rattenfänger-Literaturpreis wurde 1984 das erste Mal ausgeschrieben. Damals feierte die Stadt Hameln das Jubiläum „700 Jahre Rattenfänger von Hameln“. Anlässlich dieses Ereignisses stiftete die Stadt Hameln den Rattenfänger-Literaturpreis, mit dem Märchen- und Sagenbücher, phantastische Erzählungen, moderne Kunstmärchen und Erzählungen aus dem Mittelalter für Kinder und Jugendliche ausgezeichnet werden. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.
Für Hameln, „die Stadt, die aus der Phantasie lebt“ (Zitat Pavel Kohout) war der stärkste Antrieb für die Stiftung die aus der Erfahrung mit der Rattenfängersage gewonnene Erkenntnis, daß diese Literaturgattung Menschen aufs Tiefste zu bewegen vermag und daß sie deshalb Aufmerksamkeit und Förderung verdient.
Besonderen Dank sagen wir der
Bibliotheksgesellschaft Hameln, der
Kulturstiftung Hameln, dem
Landschaftsverband Hameln-Pyrmont und den
Stadtwerken Hameln. Durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglichen sie die Vergabe des Rattenfänger-Literaturpreises 2006.
Jurymitglieder des Rattenfänger-Literaturpreises 2006
Prof. Dr. Gundel Mattenklott
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Juryvorsitzende Literaturwissenschaftlerin, Berlin |
| Dr. Dieter Alfter |
Museumsleiter, Bad Pyrmont |
| Birgit von Harten |
Dipl.-Bibliothekarin, Hameln |
| Dr. Caroline Roeder |
Literaturwissenschaftlerin, Berlin
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Dr. Verena Rutschmann |
Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien, Zürich |
| Elisabeth Vatterodt |
Buchhändlerin, Vechta |
| Cornelie von Wedemeyer |
Buchhändlerin, Hameln |
Auswahlliste des Rattenfänger-Literaturpreises 2006
Zehn weitere Bücher wurden von der Jury in die Auswahlliste zum Rattenfänger-Literaturpreis 2006 aufgenommen und somit ideell ausgezeichnet.
Hans Christian Andersen Nikolaus Heidelbach Märchen Beltz & Gelberg, 2004 |
Nancy Farmer Drachenmeer Loewe Verlag, 2005 |
Steve Augarde Das kleine Volk Arena Verlag, 2005 |
Sherryl Jordan Jing-wei und der letzte Drache Sauerländer, 2005 |
Dino Buzzati Wie die Bären einst Sizilien eroberten Carl Hanser Verlag, 2005 |
Kenneth Oppel Wolkenpanther Beltz & Gelberg, 2005 |
Michael Chabon Sommerland Carl Hanser Verlag, 2004 |
Geoffroy de Pennart Rothütchen Moritz Verlag, 2005 |
Zizou Corder Lionboy. Die Entführung Carl Hanser Verlag, 2004 |
Gudrun Reinboth Nenn mich noch einmal Jochanaan Metz Verlag, 2004 |