Inhalt:
10. Rattenfänger-Literaturpreis 2004
Broschüre über den Rattenfänger-Literaturpreis 2004 (pdf-Datei, 777 KB)
Die Jury des 10. Rattenfänger-Literaturpreises hat den mit 5.000 EUR dotierten Preis dem historischen Jugendroman "Tanzbär" von Peter Dickinson zugesprochen.
Bildkommentar: Preisverleihung an Peter Dickinson durch Oberbürgermeister ArneckePeter Dickinson
Tanzbär
Carlsen Verlag, 2003

Peter Dickinson erzählt eine abenteuerliche Reise- und Lebensgeschichte aus der Epoche der Völkerwanderung. Die Handlung beginnt im Jahr 558/559, am historisch verbürgten Datum eines Hunnenüberfalls auf Byzanz. In der oströmischen Kaiserstadt (dem heutigen Istanbul) mit ihren kultivierten, argumentationsfreudigen griechischen Bewohnern, theologischen Disputen um die wahre christliche Lehre und einer das Alltagsleben bis ins Kleinste regelnden Bürokratie lebt der Junge Silvester als Sklave im Haus des Fürsten Celsus. Silvester wird in der Heilkunde unterwiesen und lernt gemeinsam mit Ariadne, der Tochter des Fürsten, die lateinische Sprache. Auch betreut er die zum Tanzen abgerichtete Bärin Bubba, die am selben Tag wie Ariadne und Silvester geboren ist - die drei bleiben schicksalhaft miteinander verbunden bis ans Ende des Romans. Beim Überfall der Hunnen verlieren fast alle Bewohner des Hauses das Leben, Ariadne wird geraubt. Silvester und ein seltsamer Heiliger entkommen und begeben sich mit der Bärin auf eine gefahrvolle Reise zu den Hunnen - Silvester will Ariadne zurückholen, der Heilige will den Reiterstamm zum Christentum bekehren.
Bildkommentar: Peter DickinsonDie historische Erzählung, zugleich ein Entwicklungsroman, beeindruckt durch die farbige Darstellung der byzantinischen Lebenswelt, durch prägnante Details, psychologisch differenzierte Figurenzeichnung und freundlichen Humor in der Charakterisierung des verschrobenen Heiligen und der Bärin. Jugendliche Leser und Leserinnen finden in den Protagonisten Silvester und Ariadne vielfache Identifikationsangebote jenseits konventioneller Stereotypen. Nie wird indes die Fremdheit der vergangenen, fernen Welt zugunsten anbiedernder Vertraulichkeit nivelliert. Einen Bogen zum jungen Lesepublikum schlägt Dickinson auch mit der Figur der liebenswerten, gleichwohl nie vermenschlichten Bärin Bubba. Auf der Grundlage fundierten zoologischen Wissens und mit Zuneigung zeichnet er ihre kindliche Tollerei, Naschlust, Zärtlichkeit, ihre Anhänglichkeit und ihren Eigensinn und, bei aller Menschennähe, die unzähmbare Wildheit des Raubtiers. Mit Bubba kommen Humor und Spiel zu ihrem Recht. Henning Ahrens hat die vielschichtige, subtile Erzählung in ein angemessenes, gut lesbares und von Anglizismen freies Deutsch übersetzt.
Dickinson führt uns in eine ferne, weithin unbekannte Epoche und eine (zumindest jugendliterarisch) unerschlossene Welt an den Grenzen Europas. Die Reise des sonderbaren Trios - Heiliger, Junge, Bärin - führt von Byzanz nordwärts zur Donau, am Strom entlang bis zur "Großen Biegung", ins Donaudelta und in die Steppenlandschaft Moldawiens. Später finden Silvester und Ariadne ihre Heimat im heutigen Rumänien. Die Donau-Landschaften mit ihrem Völker- und Sprachengemisch rücken heute nach den Jahrzehnten der Spaltung Europas erst langsam wieder in unser Blickfeld. Dickinsons so lehrreicher wie unterhaltsamer, spannender und anrührender Roman macht ihre unverwechselbare Physiognomie in Umrissen sichtbar.
Peter Dickinson wurde 1927 in Sambia geboren. Er wuchs in England auf und besuchte die Universität von Cambridge. Siebzehn Jahre arbeitete er für das Magazin PUNCH. Und schrieb nebenher Bücher, die mit zahlreichen Preisen, u. a. mit der Carnegie Medal, ausgezeichnet wurden.
Peter Dickinson hat vier Kinder und sechs Enkelkinder. Er lebt mit seiner zweiten Frau im Süden Englands.
Der 10. Rattenfänger-Literaturpreis wurde am 12. November 2004 im Rahmen eines offiziellen Festaktes in Hameln an Peter Dickinson überreicht.
Der Rattenfänger-Literaturpreis wurde 1984 das erste Mal ausgeschrieben. Damals feierte die Stadt Hameln das Jubiläum „700 Jahre Rattenfänger von Hameln“. Anlässlich dieses Ereignisses stiftete die Stadt Hameln den Rattenfänger-Literaturpreis, mit dem Märchen- und Sagenbücher, phantastische Erzählungen, moderne Kunstmärchen und Erzählungen aus dem Mittelalter für Kinder und Jugendliche ausgezeichnet werden. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.
Besonderen Dank sagen wir der Bibliotheksgesellschaft Hameln, der Kulturstiftung Hameln, dem Landschaftsverband Hameln Pyrmont und den Stadtwerken Hameln. Durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglichen Sie die Vergabe des 10. Rattenfänger-Literaturpreises.
Jurymitglieder des Rattenfänger-Literaturpreises 2004
Prof. Dr. Gundel Mattenklott
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Juryvorsitzende Literaturwissenschaftlerin, Berlin |
| Dr. Dieter Alfter |
Museumsleiter, Bad Pyrmont |
| Birgit von Harten |
Dipl.-Bibliothekarin, Hameln |
Rosemarie Tschirky |
ehem. Direktorin des Schweizerischen Jugendbuch-Instituts, Zürich |
| Elisabeth Vatterodt |
Buchhändlerin, Vechta |
| Prof. Dr. Kristin Wardetzky |
Literaturwissenschaftlerin, Berlin |
| Cornelie von Wedemeyer |
Buchhändlerin, Hameln |
Auswahlliste des 10. Rattenfänger-Literaturpreises
Zehn weitere Bücher wurden von der Jury in die Auswahlliste zum Rattenfänger-Literaturpreis 2004 aufgenommen und somit ideell ausgezeichnet.
Kristien Aertssen Die Schmusekönigin Moritz Verlag, 2003 |
Bruno Blume / Jacky Gleich Der gestiefelte Kater Kindermann Verlag, 2003 |
Caroline B. Cooney Anaxandra Carlsen Verlag, 2003 |
Cornelia Funke Tintenherz Cecilie Dressler Verlag, 2003 |
Diana W. Jones Ziemlich viele Prinzessinnen Carlsen Verlag, 2003 |
Kai Meyer Die Wellenläufer Loewe Verlag, 2003 |
Dietlof Reiche Geisterschiff Carl Hanser Verlag, 2002 |
Karla Schneider Glückskind Carl Hanser Verlag, 2003 |
Jürg Schubiger Die Geschichte von Wilhelm Tell Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, 2003 |
Lilli Thal Mimus Gerstenberg Verlag, 2003 |