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Rattenfänger-Literaturpreises 2010
Felicitas Hoppe schafft ein Meisterwerk der phantastischen Kinderliteratur und wird mit dem Rattenfänger-Literaturpreis 2010 ausgezeichnet Die Jury des Rattenfänger-Literaturpreises 2010 kürte am 24. April 2010 aus 307 Bucheinsendungen einstimmig das Buch "Iwein Löwenritter" von Felicitas Hoppe, erschienen im S. Fischer Verlag, zum diesjährigen Preisbuch.
Der mit 5.000 € dotierte Preis der Stadt Hameln wird am 26. November 2010 im Rahmen eines offiziellen Festaktes in Hameln an Felicitas Hoppe überreicht.
Felicitas HoppeIwein LöwenritterErzählt nach einem Roman von Hartmann von Aue.
Mit vier Farbtafeln von Michael Sowa.
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
256 Seiten, 15,8 x 24,0 cm
Leinen im Schuber
ISBN 978-3-596-85259-8
€ (D) 16,90
sFr. 30,60 (UVP)
€ (A) 14,40
Begründung der Jury Kann man eines der gewichtigsten Werke der mittelalterlichen Literatur, Hartmann von Aues Versepos „Iwein“, so nacherzählen, dass Kinder nicht überfordert oder gelangweilt sind, sondern sich fasziniert auf diese ihnen fremde Welt einlassen? Felicitas Hoppe hat den Versuch gewagt und herausgekommen ist ein Meisterwerk der phantastischen Kinderliteratur: in seiner Sprache anspruchsvoll, poetisch und verstehbar, in seinen Schilderungen packend, farbig und geheimnisvoll, in seinem Erzählton sachkundig, engagiert und mit ausgeprägtem Humor. Was erklärt werden muss, findet gebührend Beachtung; was nach Bewertung verlangt, wird behutsam kommentiert – ohne verkürzende Vereinfachung oder pädagogische Aufdringlichkeit. Vom ersten Satz an werden die Leserinnen und Leser direkt angesprochen und so von der Erzählung in den Bann gezogen: „Kennt ihr die Geschichte von Iwein, der eines Tages aus lauter Langeweile auszog, um Abenteuer zu suchen und sein Herz dabei gegen ein anderes tauschte und deshalb seinen Verstand verlor?“ Es geht um einen Helden, der durch eine fragwürdige Tat zu großem Ansehen gelangt, die Liebe einer schönen Frau gewinnt, beides aber durch seine Unachtsamkeit wieder aufs Spiel setzt. Also muss er sich aufs Neue bewähren und das Versäumte wieder gutmachen. Als er in der Einsamkeit des „Immerwaldes“ durch seinen Mut einen Löwen zum Freund gewinnt, mit dessen Hilfe er sogar den „doppelten Ritter“ besiegt, können wir uns sicher sein: Die Geschichte wird ihr gutes Ende finden.
Aufgewertet wird das Buch durch vier ganzseitige Farbtafeln, in denen der vielfach ausgezeichnete Illustrator Michael Sowa die märchenhafte Atmosphäre und die Schlüsselszenen der Erzählung wunderbar ins Bild gesetzt hat.
Felicitias Hoppe
Bildkommentar: Foto: Sven Paustian Felicitas Hoppe, geboren 1960 in Hameln, studierte in Tübingen, den USA, Rom und Berlin. Heute lebt und arbeitet sie als freie Schriftstellerin in Berlin. 1996 erschien ihr Debüt »Picknick der Friseure«, 1999, nach einer viermonatigen Weltreise auf einem Containerfrachtschiff, folgte der Roman »Pigafetta«, 2003 »Paradiese, Übersee«, 2004 »Verbrecher und Versager«, 2006 »Johanna«, 2008 »Iwein Löwenritter«, 2009 »Sieben Schätze« und »Der beste Platz der Welt« und zuletzt 2010 »Abenteuer – was ist das?«. Daneben erschienen Koproduktionen mit Bildenden Künstlern, u.a. neun Veröffentlichungen mit der Berliner Handpresse; zuletzt: 2009 »Die Weiße Frau« und 2010 »Der begnadigte Truthahn«.
Für ihr Werk wurde Felicitas Hoppe u.a. mit folgenden Preisen ausgezeichnet: Foglio-Preis für junge Literatur (1995), Aspekte-Literaturpreis (1996), Ernst-Willner-Preis im Bachmann-Literaturwettbewerb (1996), Rauriser Literaturpreis (1997), Spycher: Literaturpreis Leuk, Nicolas Born-Preis, Heimito von Doderer-Literaturpreis (alle 2004), dem Brüder Grimm-Preis der Stadt Hanau (2005), dem Bremer Literaturpreis und dem Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim (2007), zuletzt dem Comburg-Stipendium (2010).
Felicitas Hoppe übernahm außerdem Poetikdozenturen und Gastprofessuren in Wiesbaden, Mainz, Innsbruck, Augsburg und Göttingen sowie am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire und an der Georgetown University, Washington DC. Seit 2007 ist Felicitas Hoppe Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Ihr Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Der Rattenfänger-Literaturpreis wurde 1984 das erste Mal ausgeschreiben. Damals feierte die Stadt Hameln das Jubiläum "700 Jahre Rattenfänger von Hameln". Anlässlich dieses Ereignisses stiftete die Stadt Hameln den Rattenfänger-Literaturpreis, mit dem Märchen- oder Sagenbücher, phantastische Erzählungen, moderne Kunstmärchen oder Erzählungen aus dem Mittelalter für Kinder und Jugendliche ausgezeichnet werden. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.
Für Hameln, "die Stadt, die aus der Phantasie lebt" (Zitat Pavel Kohout) war der stärkste Antrieb für die Stiftung die aus der Erfahrung mit der Rattenfängersage gewonnene Erkenntnis, daß diese Literaturgattung Menschen aufs Tiefste zu bewegen vermag und daß sie deshalb Aufmerksamkeit und Förderung verdient.
Auswahlliste des Rattenfänger-Literaturpreises 2010Zwölf weitere Bücher wurden von der Jury in die Auswahlliste zum Rattenfänger-Literaturpreis 2010 aufgenommen und somit ideell ausgezeichnet.

Linard Bardill Henriette Sauvant Die Rose von Jericho Atlantis-Verlag, 2009 |

John Kilaka Der wunderbare Baum NordSüd Verlag, 2009 |

Nina Blazon Das Amulett des Dschingis Khan Sauerländer Verlag, 2008 |

Sabine Ludwig Der 7. Sonntag im August Cecilie Dressler Verlag, 2008
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Rolf-Bernhard Essig Anke Kuhl Sirenensang und Schweinezauber Geschichten aus der Odyssee Klett Kinderbuch, 2009 |

Chris Riddell Ottoline und die gelbe Katze Sauerländer Verlag, 2008
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Timothée de Fombelle Band I: Ein Leben in der Schwebe Gerstenberg Verlag, 2008 |

Karla Schneider Stefanie Harjes Wenn ich das 7. Geißlein wär´ Boje Verlag, 2009 |

Timothée de Fombelle Band II: Die Augen von Elisha Gerstenberg Verlag, 2008 |

Shaun Tan Geschichten aus der Vorstadt des Universums Carlsen Verlag, 2008
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Laura Gallego García Der Teppich des Dichters Gerstenberg Verlag, 2009 |

Einar Turkowski Die Mondblume Atlantis-Verlag, 2009 |
Jurymitglieder des Rattenfänger-Literaturpreises 2010
| Prof. Dr. Bernhard Rank |
Literaturwissenschaftler, Heidelberg (Juryvorsitzender) |
| Maren Bonacker |
Literaturwissenschaftlerin, Wetzlar |
| Doris Hedemann |
Dipl.-Bibliothekarin, Hameln |
| Dr. Maria Linsmann |
Bilderbuchmuseum, Troisdorf |
| Claudia Möhlmann |
Buchhändlerin, Hameln |
Dr. Verena Rutschmann |
Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien, Zürich |
| Peter Seiler |
Buchhändler, Münster |
Besonderen Dank sagen wir der
Bibliotheksgesellschaft Hameln, der
Kulturstiftung Hameln, dem
Landschaftsverband Hameln-Pyrmont , der
Stadtsparkasse Hameln , den
Stadtwerken Hameln und den
VGH Versicherungen. Durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglichen sie die Vergabe des Rattenfänger-Literaturpreises 2010.
Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern das
KULTURbüro der Stadt Hameln.