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"Roggenbrot macht Wangen rot". Von Bauern, Müllern und Bäckern
Sonderausstellung vom 16. August bis 13. November 2005

Seit Jahrtausenden essen Menschen Brot. Wann der erste Mensch in ein Brot biss, wird sich nie klären lassen. In den verschiedenen Weltgegenden hat sich die Technologie des Brotbackens unabhängig voneinander entwickelt.
Bis ins Mittelalter hinein war das Hauptnahrungsmittel in Norddeutschland aber nicht das Brot, sondern der aus Hafer- oder Gerstenschrot bereitete Getreidebrei. Das lag u.a. am allgemein schlechten Zustand der Zähne. Aber auch die kosten- und zeitintensive Herstellung backfähigen Mehles spielte eine Rolle. Das mehrfach ausgemahlene weiße (Weizen-)Mehl und das sog. Weißbrot wurde später zum Nahrungsmittel der Wohlhabenden, während aus dem schwarzen oder grauen (Roggen-)Mehl bzw. -Schrot das grobe, dunkle Brot für die einfachen Leute gebacken wurde.
In älterer Zeit unterschieden sich die beiden Brotsorten oft in ihrem Nährwert. Das "weiße" Mehl hatte in der Regel einen geringeren Anteil an Vitaminen und Spurenelementen, die sich beim Weizen in den Randschichten des Korns befinden. Ein einfaches Roggenvollkornbrot konnte damals also für die Ernährung wertvoller sein als ein teures Weißbrot. Der größte Unterschied zwischen Roggen- und Weizenbrot liegt heute nicht mehr im Nährwert sondern im Geschmack.
Im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung und der Verbesserung der Einkommen wurde in Deutschland bis in die 1970er Jahre immer weniger Brot gegessen. Seit 1974 steigt der Verbrauch wieder an. Mehr als 80 kg Brot wird in Deutschland heute pro Person und Jahr gegessen. Trotz der Allgegenwärtigkeit des Brotes ist dessen Herkunft und Geschichte aber vielen Verbrauchern unbekannt. Auch machen sich beim täglichen Einkauf Viele keine Gedanken mehr darüber, wie das knusprige Gebäck eigentlich entsteht.
Die Sonderausstellung im Museum Hameln erzählte die lange, aufregende Geschichte des Brotes und seines Getreides - und zwar für eine der landschaftlich und kulturgeschichtlich interessantesten Regionen Norddeutschlands, für das Weserbergland. Sie beginnt mit dem Getreideanbau und der Mehlbereitung und endet - noch lange nicht! - beim Bäcker, sondern eigentlich erst bei Ihnen, im Mund des Verbrauchers.

Der große Erfolg der Sonderausstellung - vom 16. August bis 13. November besuchten über 12.500 Menschen aus nah und fern die Sonderschau - lag unter anderem in der Konzeption als interaktive "Erlebnisausstellung" begründet, die sich nicht nur an ein interessiertes Fachpublikum, sondern mit den Mitmachangeboten besonders auch an Familien und Kinder richtete. Ein eigens für die Ausstellung konzipiertes museumspädagogisches Begleitprogramm mit Angeboten wie Museumsrallye, Salzteig- und Steinzeitbrotbacken wurde stark nachgefragt. Zwei Aktionstage sprachen mit einem bunten Programm je ca. 1.500 Menschen an. Besonders positiv wirkte sich dabei die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Werbung aus. Der Pressekontakt zu den Fachzeitschriften (Landwirtschaft, Müllerei, Backhandwerk) sorgte für eine überregionale Resonanz. Fachstufen aus Bremen, Wolfenbüttel und Hannover besuchten ganz gezielt die Hamelner Ausstellung.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung wurde auch ein Dokumentarfilm produziert. Der Film zeigt Zeitzeugen, die aus verschiedenen Perspektiven über die Entwicklung der hiesigen Getreidewirtschaft berichten. Der Film stellt ein wertvolles Zeitdokument und dokumentiert zusammen mit dem umfassenden Bildarchiv, das während der Ausstellung aufgebaut wurde, die lebendige Geschichte von Getreideanbau, Mühlenwesen und Bäckerhandwerk in Hameln und im Weserbergland im 20. Jahrhundert.
Die Ausstellung "Roggenbrot macht Wangen rot" wurde durch die enge und fruchtbare Kooperation mit regionalen Firmen und Institutionen, die das Projekt sowohl finanziell als auch ideell unterstützten, und durch eine große Zahl privater Leihgeber ermöglicht.