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Rattenfänger


Eine Sage ist kein Märchen, sie hat einen historischen Kern. Wer danach sucht, kann sich allerdings leicht verirren. Die Belege, auf die sich Wissenschaftler und Heimatforscher beziehen, liegen nicht im Original vor. So ist auch der älteste bekannte Bericht über den Hamelner Kinderauszug in der Catena Aurea des Mönchs Heinrich von Herford nur in einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert erhalten.
Die Hausinschriften, Gedenksteine, Kirchenfenster usw., die vom Auszug der Kinder berichten, sind ebenfalls nicht mehr da, wenn sich die Forscher auf sie berufen. Manches ist recht offensichtlich gefälscht, bei manchem bleiben viele Fragen. Alles nur ausgedacht?
Nein, so einfach ist es nicht. Der elsässische Edelmann Augustin von Mörsperg reist 1592 nach Hameln, weil er von der merkwürdigen Sage gehört hat und sich selbst ein Bild machen möchte. Er lässt ein Kirchenfenster abmalen, das den Rattenfänger zeigt. Es ist die älteste bildliche Darstellung des Pfeifers von Hameln und die Quelle, die belegt, dass die Geschichte in Hameln und weit darüber hinaus erzählt wird.
Um diese Zeit ist die spätmittelalterliche Überlieferung vom Kinderauszug bereits mit der Geschichte vom betrogenen Kammerjäger verbunden worden. So wird sie 1816 auch in die Sammlung der Brüder Grimm übernommen.

Bildkommentar: J.W. Imhof: Historischer Bildersaal, Nürnberg 1713.
Im 16. Jahrhundert erscheinen erste Abhandlungen zur Sage. Später fragt man sich, wer der Rattenfänger war, wie er die Ratten fing und wie er die Kinder aus Hameln entführte. Die schönsten, alten Quellen sind in der Ausstellung zu sehen – und man kann sich die originalen Texte sogar anschauen! In einer Arbeitsstation lässt sich auf die historischen Bücher zugreifen und die eigene Forschung beginnen.
In Dichtung, Kunst und Musik wird das Motiv des Rattenfängers vielfach verarbeitet. Im Museum Hameln können Sie sich an einer Medienstation verschiedene Bearbeitungen des Stoffes in Opern, Liedern und Theaterstücken ansehen und anhören. Werbefilme ergänzen die interessanten Quellen. Aus der Sammlung des Museums haben wir die eindrucksvollsten Gemälde und Drucke hervorgeholt, die den Besuchern ein Gefühl von der Kraft der Sage vermitteln können.
Bis heute wird die Sagengestalt in der Werbung und im Tourismus eingesetzt. Der Rattenfänger ist das Markenzeichen der Stadt. Sehen Sie selbst – die Stadt ist eine Reise wert. Und im Museum Hameln finden Sie eine unterhaltsame, wissenschaftlich fundierte Ausstellung zur Stadtgeschichte und zum wichtigsten Mann der Stadt, den Rattenfänger!

Bildkommentar: Das Gemälde "Rattenfänger mit Kindern" von Carl Plinke wurde restauriert


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