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Frühe Neuzeit
Bildkommentar: Herzog Erich I. und seine Ehefrau ElisabethPfingstmontag 1538: Die Frühmesse in der Münsterkirche wird plötzlich gestört. Eine Anzahl von Bürgern hat sich versammelt. Mit lauthals gesungenen Liedern übertönen sie die Messe. Die Stiftsherren sind empört. Es kommt zu Handgreiflichkeiten in der Kirche. Was ist passiert?
Die neue Lehre Martin Luthers ist auch in Hameln angekommen, viele Bürger interessieren sich mehr dafür, als für die alte Kirche und den Papst. Aber der Stadtrat wartet ab, erst 1540 wird mit Unterstützung der Herzogin Elisabeth ein evangelischer Prediger nach Hameln berufen. Das Stift bleibt zunächst katholisch, bis sich 1576 sich auch dort die Reformation durchsetzt.
Bildkommentar: Die prachtvollen Renaissancegiebel in Hameln fallen jedem ins Auge, der heute durch die Altstadt flaniert. Die Bürger bauen, um ihr neues Selbstbewusstsein und ihren Wohlstand zu zeigen.
Aber hinter den Fassaden wird es erst richtig spannend: Die Fenster“rahmen“ im Leisthaus zeigen z.B., dass man auch in dieser Zeit spart – wenn es die anderen nicht sehen. Außen sind sie frisch behauen im Stil der Renaissance. Innen sieht man die altmodische Verzierung: Sie sind nicht neu, sondern sie wurden nur gedreht.
Der 30jährige Krieg ist auch für Hameln eine harte Prüfung. Der Flussübergang spielt in den Kämpfen eine große Rolle. Muss Hameln wieder katholisch werden? Viele Bürger fürchten das. Jahrelang besetzen katholische Truppen die Stadt. Die Menschen leiden unter den Belastungen. Erst Herzog Georg von Lüneburg kann dem 1633 ein Ende setzen: Nach langer Belagerung erzwingt er den Abzug der Besatzer. Es dauert lange, bis Hameln sich erholt.
Der Ausbau zur Landesfestung bringt wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch starke Einschränkungen. Der Aufstieg der welfischen Landesherren zu Kurfürsten und Königen von Großbritannien macht die Festung ab 1714 zum Vorposten einer Großmacht. Die Folgen bekommt Hameln bald zu spüren: Stadt und Umland werden im Siebenjährigen Krieg zum Schauplatz weltpolitischer Auseinandersetzungen. Die Kriege mit dem revolutionären Frankreich führen schließlich zum Ende der Festung. Auf Befehl Napoléons wird sie 1808 vollständig zerstört.