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20. Jahrhundert
Bildkommentar: F.W. und K. Meyer-HermannDas in Hameln stationierte Infanterieregiment 164 bricht mit großem Jubel auf in den Krieg. Doch der erwartete Sieg lässt auf sich warten! Viele Soldaten erleben ihn nicht. Mehr als 2.000 Soldaten des Regiments finden den Tod.
Der Krieg kommt auch nach Hameln: Bereits zu Beginn des Kriegs entsteht ein Lager für über 10.000 Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten. Zahlreiche Opfer, vor allem unter den schlechter versorgten russischen Insassen, müssen auf dem späteren Friedhof Wehl begraben werden.
Bildkommentar: Aufmarsch vor dem HochzeitshausDie Zwischenkriegsjahre bringen Not und Hunger nach Hameln. Die Bemühungen, die Arbeitslosigkeit einzudämmen, haben kaum Erfolg. Die Nationalsozialisten reißen auch in Hameln innerhalb weniger Monate die Macht an sich. Sie drängen den Oberbürgermeister aus dem Amt und inhaftieren politische Gegner. Missliebige Verbände und Vereine werden verboten oder in NS-Organisationen eingegliedert.Hameln wird im „Dritten Reich“ eine bis dahin nicht gekannte Aufmerksamkeit zu Teil: Die bis 1937 auf dem nahen Bückeberg veranstalteten „Reichserntedankfeste“ bringen Hunderttausende in die Stadt. In der Ausstellung wird hinter die Kulissen der Propagandaveranstaltung geschaut und bisher unbekanntes Material gezeigt.
Bildkommentar: Blick auf die Tribüne
Bildkommentar: Synagoge nach der ZerstörungDie jüdischen Einwohner werden immer stärker ausgegrenzt und entrechtet. Die Synagoge wird 1938 zerstört. Wem es nicht gelingt auszuwandern, befindet sich in einer ausweglosen Situation: 1942 werden bis auf wenige Ausnahmen alle Hamelner Juden in Konzentrationslager verschleppt.
Im Zweiten Weltkrieg bleibt Hameln lange von größeren Bombenabwürfen verschont. Erst in den letzten Kriegsmonaten 1944/45 häufen sich die Luftangriffe und fordern mehrere hundert Menschenleben. Am 7. April 1945 besetzen alliierte Truppen Hameln.
Bildkommentar: Vertriebene in Springe Die Weserbrücken sind kurz zuvor von Deutschen gesprengt, Marktkirche und Rathaus durch Artilleriebeschuss und Feuer zerstört worden. Die britische Besatzungsmacht übernimmt sofort die Kontrolle über die Stadtverwaltung. Schnell wird die Unterbringung von Vertriebenen und Flüchtlingen zur Hauptaufgabe. 1946 treffen mit drei Großtransporten 3.400 Schlesier in Hameln ein, bis 1949 nimmt die Stadt über 15.000 Menschen dauerhaft auf. Hameln hat schließlich mehr als 50.000 Einwohner.
Der Wohnungsbau kommt ab 1949 in Schwung und zahlreiche neue Siedlungen verändern das Bild der Stadt. Für die Altstadt ist eine „Flächensanierung“ geplant. In der Stadt bildet sich Widerstand. Der großflächige Gebäudeabriss wird spät gestoppt und man erhält die noch vorhandene historische Bausubstanz.
Bildkommentar: Demonstration vor dem RathausAuch die Jugend verschafft sich Gehör: Nach der biederen Adenauerzeit entzündet sich der Protest vor allem ab 1976 am Bau des Kernkraftwerks Grohnde südlich von Hameln. Anlaufpunkt dieser alternativen Aktionsgruppen wird bald das Kultur- und Kommunikationszentrum „Sumpfblume".
Währenddessen verändert sich Hamelns Wirtschaft zusehends. Alte Industriebetriebe schließen oder reduzieren Arbeitsplätze, vor allem Finanzdienstleister gewinnen an Bedeutung. Aber Hameln besteht den Wandel – bis heute ist die Wirtschaft das Rückgrat der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt.