Hameln und sein schwerer Verlust

Weltweit ist Hameln als Rattenfängerstadt bekannt. Und so kommen jährlich Hunderte Touristen in die Stadt, um sich von Hamelns Geschichte aber auch seiner Schönheit zu überzeugen. In der Stadt treffen sie nicht nur den Rattenfänger selbst – auch viele andere Sehenswürdigkeiten erinnern an die Sage. Lassen Sie sich überraschen, welche Spuren der Kindesentführung Sie finden ...

Zwei Brunnen erinnern an den Auszug der Kinder. Einer von ihnen steht in der Osterstraße, unweit der Bungelosenstraße. Der Brunnen ist ein Geschenk von den Verlegern Günther und Hans Niemeyer an die Stadt. Drei Jahre arbeitete der Bildhauer Bruno Jakobus Hoffmann an dem Brunnen, ehe er am 23. Juni 2001 eingeweiht wurde.

Ein zweiter Brunnen steht auf dem Rathausplatz (Foto). Im September 1975 wurde er vom Bildhauer Karl Ulrich Nuss eingeweiht. Sein Entwurf hatte sich in einem Wettbewerb mit 132 Bewerbern durchgesetzt. Ursprünglich sollte das Werk auf dem Pferdemarkt stehen. Er wurde jedoch als zu groß für die Altstadt angesehen.

Das Rattenfängerhaus (Osterstraße) trägt seinen Namen aufgrund der Inschrift, die sich seitlich am Haus in der Bungelosenstraße befindet. Das 1602/03 durch den Ratsherrn Hermann Arendes erbaute Haus zeigt alle Stilelemente des Baustils der Weserrenaissance. Arendes war auch Baumeister. Die Vermutung, dass er das Haus auch selbst entwarf, liegt nahe. Seit 1917 ist das Haus im Besitz der Stadt. Heute befindet sich ein Restaurant darin.

Das Figurenspiel am Hochzeitshaus ist wohl eines der beliebtesten Touristenziele. Täglich um 13.05, 15.35 und 17.35 Uhr drehen der Rattenfänger und andere Figuren hier ihre Runden. Um 9.35 Uhr lässt das Glockenspiel am Westgiebel des Gebäudes das Weserlied und um 11.35 Uhr das Rattenfängerlied erklingen. Der Pfeifer wird hier nicht als Bunting mit langen Federn am Hut, sondern als Jüngling mit kurzem grünen Jäckchen inmitten seiner Rattenschar dargestellt.

In der Hamelner Marktkirche existierte im Mittelalter ein Glasfenster zum Auszug der Kinder. Es wurde im Jahr 1660 zerstört. Mit seiner Inschrift spielte es bei der Erforschung der Sage eine wichtige Rolle. 1984, im Jahr des 700. Jubiläums, regte die Stadt an, zur Erinnerung an den alten Kirchenschmuck wieder eine Rattenfängerdarstellung in Form eines bunten Glasfensters einzusetzen. Die Finanzierung übernahm damals der Rotary Club. Entworfen wurde das Fenster von dem Grafiker und früheren Feuilletonredakteur der Dewezet, Klaus Zimmer.

Im September 1960 wurde das große Rattenfänger-Relief von dem Bildhauer Walther Ihle enthüllt. Lange Zeit hing es an der Stirnseite der inzwischen abgerissenen Aula der Schule für Frauenberufe am Hamelner Münsterkirchhof. Nachdem die Aula abgerissen wurde, lag es in Kisten verpackt lange im Behördenkeller des Rathauses. Der Landkreis hatte es der Stadt vermacht. Aber: nicht das Original. Das konnte beim Abriss damals nicht gerettet werden. Eine Spezialfirma aus Osnabrück konnte jedoch einen Kautschukabdruck hergestellen. Heute ist das acht mal dreizehn Meter große Werk das Tor zum Bürgergarten.

Quer durch die Altstadt zieht sich eine Spur von Ratten: die Rattensteine. Sie weisen den Touristen einen Rundwanderweg durch die Stadt, der sie an den wichtigsten Bauten und Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Waren die Ratten früher mit Farbe auf die Steine gesprüht, wurden sie bei der Sanierung der Fußgängerzone (2011 bis 2013) durch einzelne Bronzeplatten ausgetauscht. Sie sind ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen und sorgen immer wieder für ein Schmunzeln bei der Hameln-Besuchern.

Zum Rattenfestival (2004) wurden in der Fußgängerzone 65 knallig bunt und originell bemalte, mannsgroße Rattenfiguren aufgestellt. Bei dieser besonderen Art von „Street-Art“ konnten die Menschen über sechs Monate Kunst zum Anfassen kostenlos erleben. Die Ratten wurden ab Herbst 2004 versteigert. Einige sind noch heute im Stadtbild zu sehen. Von dem Erlös wurde im Oktober 2009 die 9,6 Meter große Tanzende Weserratte gekauft. Sie steht auf einer kleinen Plattform in der Weser in der Höhe des Hotel Stadt Hameln.